Hallo Peter, schön dass du dich bereit erklärt hast, einige Fragen zum Thema Fairplay zu beantworten. Bevor wir mit den eigentlichen Fragen starten, stellst du dich bitte einmal unseren Leserinnen und Lesern vor?
Ich bin der Peter Lautenbach, hauptberuflich in der Deutschen Sportjugend tätig als Ressortleiter Jugendarbeit im Sport. Schwerpunkte meiner Arbeit - neben der Leitung des Ressorts – sind die Themenfelder Dopingprävention und Persönlichkeits- und Teamentwicklung. Ich bin seit über dreißig Jahren in der dsj und von Beruf Diplom-Sozialpädagoge. Ich würde mich als leistungsorientierten Breitensportler bezeichnen in den Sportarten Dauerlauf und Mountainbiken. Bei der Beantwortung der Frage zum internationalen Bereich hat mich mein Kollege Stephan Höller, bei der Frage zur Zielgruppe Kinder meine Kollegin Heike Hülse unterstützt.
Der Fairplay-Begriff umfasst ja nicht nur die Einhaltung der geltenden Regeln, sondern
„beschreibt vielmehr eine Haltung des Sportlers: den Respekt vor dem sportlichen Gegner und die Wahrung seiner physischen und psychischen Unversehrtheit. Fair verhält sich derjenige Sportler, der vom anderen her denkt.“
Welcher Sportler/welche Sportlerin würde dir spontan einfallen, wenn es darum geht diese Haltung im Sport zu zeigen und warum?
Es liegt zwar schon eine lange Zeit zurück: Für mich war der Weitspringer Lutz Long, der 1936 bei den Olympischen Spielen in Berlin im Wettkampf mit Jesse Owens (USA) ihm Tipps in Bezug auf die Distanz beim Anlauf gab, ein Vorbild. Nicht nur, dass er im Sinne der Fairness gleiche Ausgangsbedingungen herstellen wollte und offensichtlich gesehen hat, dass Owens beim Anlauf Schwierigkeiten hatte, sondern er hat sich eben weltoffen gezeigt und in einer von Rassismus geprägten Zeit einen Sportler anderer Hautfarbe schlicht und einfach als Mensch und Konkurrenten unterstützt.
Mal ein Blick über die Landesgrenzen; Ihr seid international gut vernetzt. Wie greifen Sportjugenden aus anderen Ländern das Thema Fairplay auf?
Die Idee des Fairplay ist einer der Kernaspekte des olympischen Gedankens, der in der Olympischen Charta aufgeführt und auch im täglichen Sprachgebrauch als einer der „Werte des Sports“ mit zuerst genannt wird. So gesehen ist das Thema ein globales der weltweiten Sportbewegung, die sich dem olympischen Gedanken verpflichtet hat. Mit unseren Partnern weltweit, die allerdings in den seltensten Fällen in einer Sportjugend in unserem Sinne organisatorisch verfasst sind, greifen wir die Themen bei gemeinsamen Projekten regelmäßig auf: Ob als Leitthema beim Deutsch-Japanischen Simultanaustausch, bei gemeinsamen deutsch-französischen Seminaren zum Thema Dopingprävention oder natürlich in Workshops beim Deutschen Olympischen Jugendlager und den dsj academy camps, die ja explizit im olympischen Kontext stattfinden. Das Thema Fairplay lässt sich aus dem internationalen Sport-Austausch auch wunderbar in den gesellschaftlichen Bereich übertragen, wenn wir uns mit den UN-Nachhaltigkeitsziele der Agenda 2030 (SDG) und dem Umgang mit unserem gemeinsamen Planeten sowie Menschen anderer Kulturen auseinandersetzen.
Doping, Wettmanipulation, Gewalt im Sport; Wie könnt ihr diesen negativen Entwicklungen im Sport entgegenwirken und wie können euch einzelne Sportarten dabei unterstützen?
Wir versuchen dem neben Aufklärung und Appellen u.a. mit unseren Juniorbotschafter*innen (JuBo) entgegenzuwirken. Dieses ist ein langfristiger und nachhaltiger an pädagogischen Prinzipien orientierter Ansatz, der junge Sportler*innen dazu bringen soll eine Haltung zu entwickeln, die eben aus einer intrinsischen Motivation heraus auf Doping, Gewalt oder andere Manipulationen im Sport (natürlich auch im Alltag) zu verzichten. Darüber hinaus wollen wir sie dazu anregen, ihr Wissen und ihre Haltung an gleichaltrige Sportler*innen weiter zu geben. Wir haben JuBo-Systeme in den Themenfeldern Dopingprävention, Bildung für nachhaltige Entwicklung, Inklusion und Kinder- und Jugendschutz. Ihr könnt uns unterstützen, indem ihr Engagierte aus Euren Reihen zu unseren Seminaren schickt und zu JuBos ausbilden lasst. Noch toller wäre es, wenn Ihr darauf aufbauend für Euren Verband eigen JuBo-Systeme aufbaut.
Vor allem für Kinder sind ungeschriebene Regeln, wie beim Fairplay im Sport, schwer zu verstehen. Wie könnte ein spielerisches Heranführen in Zukunft besser gelingen?
Kinder haben meist einen großen Gerechtigkeitssinn, der auch auf faires Verhalten im Sport einzahlen kann. Bei Kindern kommt den anleitenden Erwachsenen und deren Einstellung zu Fairplay eine zentrale Rolle zu. Übungsleiter*innen, Trainer*innen oder Sportler*innen, sind Vorbilder und Wertevermittler, deren eigenes Verhalten einen großen Einfluss auf unserer Kinder im Sport hat. Unterstützt werden kann das faire Verhalten darüber hinaus durch die kindgerechte Anpassung der Trainingseinheiten und Wettbewerbsformen. Gute Beispiele hierfür sind das Konzept „Judo spielend lernen“, das Kindern bewusst der Sportart zugrunde liegende Werte wie Respekt oder Einfühlungsvermögen vermittelt, oder auch die Fair Play Liga des DFB, die Kinder zu ihren eigenen Schiedsrichtern macht und alle Beteiligten – auch die Eltern – für Fairplay im Sport sensibilisiert.
Erinnerst du dich noch an einen Moment in deiner Sportkarriere, bei der du dir dachtest: „Mit Fairplay hatte diese Handlung jetzt nichts zu tun“?
Das war bei einem Marathonlauf als ich mich in der Hitze des Gefechts dazu habe verleiten lassen auch meine Ellbogen einzusetzen, um mir Platz und Vorteile im Feld zu verschaffen.
Was würdest du dir für die Zukunft des Fairplay‘s im Sport wünschen?
Ich wünsche mir, dass Erfolge im Sport in Zukunft noch stärker und offensiver nicht nur am reinen Ergebnis gemessen werden, sondern daran, wie dieses zustande gekommen sind. Hier sollte faires, vorbildliches Verhalten ein entscheidender Maßstab für den Erfolg bei der Erzielung eines Ergebnisses sein.
Ich danke dir für dieses interessante Interview und wünsche dir alles Gute!
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