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Flüchtlinge werden Freunde beim Schachklub Königsjäger Hungen e.V.

Ehrenamtlich engagiere mich in der Flüchtlingshilfe seit knapp 3 Monaten. Das Einsatzspektrum eines ehrenamtlichen Helfers kann vielschichtig sein. Begleitung bei Arzt-, Behördenbesuchen, Dolmetschung bei Alltagsdingen oder Ausfüllen von Anträgen, Hilfe beim Einkaufen oder einfach nur Zuhören bei Sorgen & Nöten.

Da ein Ehrenamt auf freiwilliger Basis geschieht, habe ich mich zunächst auf das konzentriert, was naheliegt. Schach-Training, spielen oder beim Erlernen helfen.

Sehr schnell stellte sich heraus, dass meine Englisch-Kenntnisse noch nicht eingerostet sind, und die englische Sprache bei der Kommunikation mit arabischen Flüchtlingen Gold wert ist. Es stellte sich ferner heraus, dass die eigenen Kapazitäten begrenzt sind. Schach ist sicherlich eine kurzweilige Zeitvertreibung und bietet eine willkommene Abwechslung. Der Förderverein Jugendschach der Deutschen  Schachjugend sponsorte unserem Verein 10 Spielsätze, von denen ich am 16.12.15 fünf in der ersten Flüchtlingsunterkunft in Hungen verteilte. Die Überraschung war durchaus gelungen und die Freude überwältigend.

Das königliche Spiel wird während des montäglichen Treffs (15.00-17.00 Uhr) von 3-6 Menschen gespielt. Die Vereinsabende werden mittlerweile auch besucht.

Die generell erfolgreiche Integrationsarbeit in Hungen basiert auf einer sehr großen Ehrenamts-Kultur, einem großen Pool an Vereinen sowie mannigfaltige Unterstützung (kostenlose Mitgliedschaften, Übernahme des Essensgeldes von KITA- und Schulkindern und vielen mehr).

Eine überregionale Zeitung umschrieb es treffend in einem einzigen Satz: „Machen statt abwarten“!

Mirko Humme - 1. Vorsitzender Schachklub Königsjäger Hungen e.V.

 

Veröffentlicht mit freundlicher Genehmigung der Gießener Allgemeinen Zeitung (16.12.2015)

»Unseren Beitrag leisten« 

Schach, Sport und künftig auch Musik: Vereinsengagement für Flüchtlinge hat in Hungen viele Gesichter Hungen

»Look, you can’t do this«, sagt Mirko Humme und legt die rechte Hand auf die Schachfigur seines Gegenübers. Übersetzung und Erklärung folgen umgehend. »Das kannst Du so nicht machen, weil eine Dame nur wie Turm oder Läufer ziehen kann.« Auraris wollte sie wie einen Springer bewegen.  Der 27-Jährige ist an diesem Montagnachmittag zum ersten Mal im Café Glücklich im Hungener Kulturzentrum. Im Gegensatz zu seinem Spielpartner, der regelmäßig kommt – der gleichaltrige Murad aus Syrien. Ihn kennt Mirko Humme gut, ebenso wie eine Handvoll anderer Flüchtlinge, die derzeit in der Schäferstadt leben.

Der Vorsitzende des Schachclubs steht jeden Montag zwischen 15 und 17 Uhr im ersten Stock der alten Schule parat, um Asylbewerbern das Schachspiel näherzubringen, während andere Kaffee trinken und Plätzchen essen, Deutschkenntnisse aufbessern oder einfach nur plaudern. Denn der Schachclub ist einer jener Vereine, der sich in der Hungener Flüchtlingshilfe engagiert. »Kaum waren die ersten Asylbewerber da, gab es schon Anfragen zu Schach-Angeboten«, erinnert sich Humme.

Kein Wunder, sind doch die Regeln des königlichen Spiels gleich, egal ob die Ausführenden Arabisch, Deutsch oder Englisch sprechen. Seit August trifft er sich regelmäßig mit Flüchtlingen. Was die Verständigung angeht, gibt es keine Probleme. »Ich war total überrascht, wie hervorragend das klappt«, sagt der Chef des Hungener Schachclubs. Unterhalten wird sich meist auf Englisch, wobei Humme seine Erklärungen immer ins Deutsche übersetzt, damit die Flüchtlinge gleichzeitig ihre Sprachkenntnisse verbessern. Aber nicht nur jene, die bereits Interesse an dem Strategiespiel haben, will er erreichen. Auch jene, die es noch nicht kennen.

Jedoch: »Das funktioniert nicht im Café Glücklich« Deshalb hat er vom Förderverein Jugendschach der Deutschen Schachjugend zehn Spielsätze organisiert, die er in den Gemeinschaftsunterkünften verteilen will. Wenn die nicht reichen, will er weitere heranschaffen.

 

Der Beitrag der Gießener Allgemeinen Zeitung und das Foto wurden uns vom Verein mit freundlicher Genehmigung der Gießener Allgemeinen Zeitung zur Verfügung gestellt.

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