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| Jugendaustausch

Deutsch-Japanisch - Bericht aus Duisburg

Tag 1: »Hajimemashite!« – Willkommen in Duisburg!

Wer glaubt, wir Deutschen seien immer überpünktlich, ist wahrscheinlich nie mit der Deutschen Bahn gefahren. Mit 15 Minuten Verspätung, was beim Shinkansen nur im Falle eines Erdbebens geduldet wird, kam die kleine japanische Gruppe heute Nachmittag in Duisburg an. Schnell wurde die jeweilige Gastfamilie gefunden, die Koffer wurden in die Kofferräume gepackt und ab ging es nach Hause.

Zuhause angekommen begann die erste kleine Herausforderung: Kommunikation. Mit Händen und Füßen, Deutsch, Englisch und Japanisch konnten wir uns aber verständlich machen. Emi und Momoka waren wirklich froh, dass jemand wenigstens ein paar Brocken Japanisch sprechen und verstehen kann. Wir freuten uns darüber, dass die beiden ein paar Wörter Deutsch verstanden und auch sprachen, »Hallo«, »Danke«, »Bitte«, »Entschuldigung«, »Ja«, »Nein«. Ein Hoch auf Wörterbücher, die auch für uns sehr hilfreich waren. Ich zeigte ihnen ihre Zimmer und das Haus, begeistert waren sie von dem großen Garten und unserer Katze, die die beiden wohl direkt ins Herz geschlossen haben. Nach ein, zwei Stücken Kuchen und ein paar Tassen Tee, wurden die Gastgeschenke verteilt.

Etwas später mussten wir dann schon wieder los zum Willkommensabend. Kurz wurden einige kurze Reden gehalten, ehe das Buffet eröffnet wurde. Unsere Gäste entpuppten sich als begabte Schachspieler, da sie kurzentschlossen am Sommerturnier der Schachfreunde Brett vor'm Kopp teilnahmen. Während die einen Schach spielten, spielten andere Karten, redeten und aßen. Insgesamt war es ein lustiger und spielerischer erster Abend in Duisburg.

Tag 2: »Duisburg olé!«

Nach einem spätem Abend ging es heute direkt früh los. Wir trafen uns morgens am Livesaver und nutzten diesen als Startpunkt für die Erkundung der Duisburger Innenstadt. Stadtmauer, der Innenhafen und das Stadtheater lagen auf unserem Weg und unsere Gäste waren von den verschiedenen Punkten sehr begeistert und angetan. Im Anschluss ging es dann ins Forum, wo jeder Zeit hatte das Forum selbst zu erkunden. Um 12 Uhr trafen wir uns dann zum Essen. Unsere Gäste entschieden sich schnell für einen Döner, der auch allen gut schmeckte.

Dann brachen wir Richtung MSV auf. Auf der Fahrt erfuhren wir, dass sich Miku, Emi und Momoka vorher die Vereinsfarben heraus gesucht und sich dementsprechend gekleidet hatten. Das Spiel begann: Alle Japaner jubelten und feuerten den MSV an. Nach einem wechselhaften und spannenden aber letztendlich gewonnenen Spiel hatten wir noch Glück, als einer der Spieler für Fotos zu uns kam. Die Japaner konnten dies kaum glauben und waren sichtlich gerührt. Auch der Zebrashop fand regen Anklang. 13.400 Fans hatten den Weg ins Stadion gefunden. Dementsprechend lange dauerte der Weg aus dem Stadion in Richtung Duisburger Süden.

Ziel war das XXL, da wir uns dort noch aktiv sportlich betätigen wollten. Zwei Runden Bowling waren angesagt. Die erste Runde gewann Fabian mit 113 Punkten und hatte 30 Punkte Abstand zum nächsten Spieler Taishi. In der zweiten Runde zeigte sich, dass Gruppenleiter Osamu früher begeistert und intensiv gebowlt hatte. Nachdem er sich in der ersten Runde noch auf der unbekannten Bahn einspielen musste, zeigte seine gute Technik in der zweiten Runde Wirkung. Nach einem guten Spiel erreichte er 163 Punkte und kam in der Gesamtwertung auf insgesamt 225 Punkte und damit im Endstand auf zwei Punkte mehr als Fabian. 

Den Abend ließen wir dann beim Essen im Biergarten mit netten Gesprächen ausklingen.

Tag 3: »In die Bäume ...«

Der heutige Tag begann – sonntäglich geruhsam – zur gewohnten Schachspielerzeit. Spaß und Sport im Wald war angesagt: Tree-2-Tree d.h. hinauf in anfangs fünf Meter Höhe und ab von Baum zu Baum. Die ausführliche Einweisung stellte die Geduld der Einweiserin und der anderen Kletterer durch die übersetzungtechnisch notwendigen Unterbrechungen auf die Probe. Diese nicht alltägliche Form der Sicherheitseinweisung wurde jedoch von allen Beteiligten freundlich und mit großem Interesse und Faszination aufgenommen.

Die Auswahl des Parcours, die von leicht bis extrem schwer eingeordnet werden, führte uns dann auf vielfachen Wunsch etwas anspruchsvolles zu probieren nach P1. Kenner werden sich jetzt verwundert die Augen reiben, da wir, als wir schon in den Bäumen waren, erfuhren, dass dies wohl der zweitschwerste sein soll ... naja 1. zu spät und 2. wir sind hier ja auf einem Austausch der Sportjugend. Für Kaffekränzchen sind andere zuständig ;-)

In 18 unterschiedlichen Elementen wurde unsere Höhenangst – sofern die vorher da gewesen sein sollte – nachhaltig beseitigt. In bis zu 11 (in Worten: Elf) Metern über dem Waldboden verliert man eher früher als später das Gefühl für die Höhe und bewegt sich über meist wenig aber dafür wackelnden Untergrund. Immer mit doppelter Sicherung unterwegs kann tatsächlich nichts passieren. Der anspruchsvolle sportliche Charakter dieser Strecke wurden dann spätestens am vorletzten Element hervorgehoben. Die schwereren unbeweglichen Kletterer schafften dies mit purer Muskelkraft aus den Armen, die leichteren beweglichen Kletterer mit Leichtigkeit und Gleichgewichtssinn. Die trickreichen schlußendlich durch einfach Einsatz technischer Hilfsmittel. (man kann die Rolle vor dem Bauch als Gewicht vor sich her tragen oder einfach ans Seil hängen ;-))

Die abschließende Rutschpartie wurden individuell elegant gestaltet. Zwischen perfekt auf den Punkt einschwebend und ca. 5 Meter auf dem Allerwertesten über den Boden rutschend war einiges vertreten. Das war anspruchsvoller Sport am Sonntag morgen und hat allen Teilnehmer mächtig Spaß gemacht.

Danach ging es in den Familiennachmittag, den wir mit einer Stärkung bei Kartoffelsalat und Leberkäse mit Brezeln angingen. Auch eine Erholungspause, um Kraft für den Nachmittag zu schöpfen, wurde eingelegt. Das Sport auch geruhsamer aber nicht minder anspruchsvoll sein kann, testeten wir dann beim Moonlight Minigolf. 18 Bahnen (oder heißt es Löcher?) bei Schwarzlicht mit einer tollen Kulisse bieten ein unvergleichliche Atmosphäre. Und nicht genug, es gibt noch weitere 9 'echte' Minigolfbahnen, die zu 7-ern einluden :-)

Zur Abrundung des Tages ging es dann noch auf den Badmintoncourt, um die Federbälle fliegen zu lassen. Im Spaß und Spiel miteinander schlugen wir uns die Bälle um die Ohren und reichlich Luftlöcher. Spätestens hier wurde den Älteren – also den Nicht-Jugendlichen – unter uns bewußt, dass der Zahn der Zeit voranschreitet. Nach einer 3/4-Stunde war, wie Trapp sagen würde: 'Flasche leer'. Rien ne vas plus also Zeit den fortgeschrittenen Tag zu beschließen und nach einem gemeinsamen Abendessen die Beine hochzulegen und dem geschundenen ... äh sportlich bewegten ... Körper Ruhe zu gönnen.

Tag 4: »Hoch hinaus!«

Heute besuchten wir unsere Nachbarstadt Düsseldorf! Mit Japan-Viertel, Eko-Haus und der Rheinuferpromenade, an der jedes Jahr der Japantag stattfindet, ist Düsseldorf doch perfekt für unsere Gruppe.

Im Medienhafen sahen wir einige futuristische Gebäude und Kunstwerke, die mal wieder großen Spielraum für irgendwelche Interpretationsvorschläge ließen. Den alten Schlossturm, in dem heute ein Schifffahrtsmuseum drin ist, haben wir auf dem Weg auch von außen betrachtet, als wir an der Rheinuferpromenade entlang gingen, wo unsere japanischen Gäste dann auch zum ersten Mal den Rhein sahen. Den Landtag haben wir natürlich auch gesehen, indem in den Sommerferien auch nur noch die Notbesetzung ihren Tag verbringt.

Dann ging es immer näher auf den Rheinturm zu, dem höchsten Bauwerk in Düsseldorf. Insgesamt 240 Meter hoch, das wären wohl einige Stufen zu steigen gewesen, aber zum Glück gibt es ja den Aufzug! Mit dem Aufzug ging es dann hoch hinaus auf 166,25 Meter und dort auf eine der Aussichtsplattformen. Durch die Scheiben konnte man weit sehen, aber aufgrund des schlechten Wetters nicht wie sonst auch bis nach Köln. Duisburg konnte man aber noch sehr gut sehen.

Nachdem wir mit dem Fallschirm wieder runter vom Rheinturm waren oder den Aufzug runter genommen hatten, ging es durch die Altstadt. An vielen Restaurants ging es vorbei bis wir vor dem »Schlüssel« halt machten, um dort typisch deutsch zu essen. Dass die Schweinshaxen größer sind als der größte Appetit, mussten zwei wagemutige aus unserer Gruppe dann auch feststellen.

Danach gingen wir noch ins Bärenland ein Lädchen voller Gummibärchen, die natürlich sehr beliebt bei unseren Gästen waren. Später teilten wir uns in Grüppchen auf und gingen in diesen los, um Düsseldorf selbst zu erkunden. Hierbei wurde ordentlich geshoppt. Diverse paare Schuhe und ein Koffer fanden zuerst den Weg in die Tüten und dann nach Duisburg.

Die geplante Currywurst im stadtbekannten Berliner Imbiss musste mangels Hunger nach dem überaus üppigen Mittagsmahl leider ausfallen.

Tag 5: »Duisburg Ahoi!«

Dienstags morgens trafen wir uns zu einer Führung durch das Heizkraftwerk 2 der Duisburger Stadtwerke. Die Japaner waren gespannt auf die Führung, als sie das große Gelände der Stadtwerke sahen. Der Führer der Stadtwerke gestaltete die Führung sehr interessant und baute auch den ein oder anderen Witz ein, den die Japaner nach Übersetzung meist sehr zum Lachen brachten. Als wir die Brennöfen besichtigten, wurde uns auf deutscher Seite sehr heiß, doch den Gruppenleiter und die jugendlichen Japaner störte dies gar nicht, sie empfanden diese Temperatur als sehr angenehm.

Nach der Führung gab es ein gemeinsames Essen in der Kantine der Stadtwerke, wo wir als Gruppe auch noch Fragen stellen konnten. Dies nahm besonders Taishi wahr und löcherte den Führer noch einmal.

Danach ging es kurz in die Duisburg Innenstadt, wo wir eine dreiviertel Stunde Zeit hatten, bevor das Schiff für die Rundfahrt durch den Binnenhafen (der größte der Welt!) startete. Wer jetzt glaubt, das man in dieser Zeit nicht viel einkaufen kann, wurde hier eines Besseren belehrt. Nach gut 30 Minuten kamen unsere Gäste voll bepackt mit Tüten aus verschiedenen Geschäften zurück und freuten sich über ihre Einkäufe.

Die Hafenrundfahrt begann mit sehr vielen Fotos. Leider waren die Lautsprecherdurchsagen durch den Kapitän schwerverständlich und für alle Jugendlichen sehr ermüdend. Nur der japanische Gruppenleiter fragte reichlich über Duisburg und machte knapp 150 Fotos.

Dann ging es zum Termin im Rathaus. Wir kamen gerade pünktlich, da die Hafenrundfahrt ein paar Minuten Verspätung gehabt hatte. Doch wir schafften es alle rechtzeitig uns umzuziehen. Bürgermeister Manfred Osenger erzählte uns nun etwas über die Duisburger Geschichte und über die prominenten Gäste wie Michail Gorbatschow, Angela Merkel, Queen Elisabeth II. und den Japanische Botschafter, die wie wir im Mercatorzimmer des Rathaus empfangen worden waren und sich im Goldenem Buch der Stadt eingetragen hatten. Zu unser aller Freude durften wir uns auch im Goldenen Buch der Stadt eintragen.

Anschließend begleitete Bürgermeister Osenger uns noch in den Ratssaal und erklärte uns einiges zur aktuellen politischen Situation in Duisburg und der Geschichte des Ratssaales. Höhe- und Schlußpunkt der Rathausbesichtigung war die Benutzung des Paternoster im Rathaus, die allen Freude bereitete.

Zum Abschluss des Tages ging es in die Marina des Duisburger Innenhafens. In der Bodega ließen wir den Abend am Tapasbüffet ausklingen. Es war eine schöne Runde und wir aßen und redeten bis 23 Uhr und machten uns dann langsam auf den Weg nach Hause, wo wir alle nur noch ins Bett fielen.

Tag 6: »Ene Besuch im Zoo ...«

Frei nach dem bekannten Karnevalsschlager wollten wir unseren japanischen Gästen eine der Hauptattraktionen Duisburgs nicht vorenthalten. Der Zoo in Duisburg ist überregional bekannt und hat viele Tiere zu bieten. Vor allem die Delphin-Show ist eins der tollen Highlights in unserem Zoo.

1000 Köstlichkeiten kann die Mensa der Uni Duisburg zwar nicht bieten, aber unterschiedliche vor allem günstige Gerichte allemal. Als Kontrast bzw. als Vergleich zur Küche in japanischen Highschools und Universitäten gedacht, hofften wir unseren Gästen einen Eindruck zu vermitteln, welche kulinarischen Qualität deutsche Studenten geboten bekommen.

Als Highlight des Tages folgte der Kanu-Schnupperkurs auf der Regattabahn. Die Weltklasse-Kanuten, die ab dem 27.8. auf eben dieser Regattabahn die diesjährigen Weltmeisterschaften auskämpfen, fanden sich leider noch nicht ein. Unsere angehenden Kanuten, die sich schnell an den Kajak gewöhnten und sich auf (und auch in) dem Wasser pudelwohl fühlten, hatten offensichtlich Spaß und Freude. Getrübt wurde diese durch einen ebenfalls auf dem See befindlichen Duisburger Jugendlichen aus einem nicht bekannten Verein, der offensichtlich aus Übermut unsere Mädels mit dem Padel nassspritzte. Diese fanden das nicht wirklich so witzig, wie es vermutlich gedacht war und drehten kurzerhand um und düsten gen Anlegestelle. Diese kurzzeitige Aufregung konnten dann glücklicherweise besprochen/geklärt werden.

Unweit des Kanuanlegers befindet sich das Seehaus. Direkt am – quasi über dem See – gelegen fanden wir hier eine optimale Örtlichkeit die Sayonara-Party auch bei unsicheren Wetterbedingungen stattfinden zu lassen. Ein typisch deutscher Biergarten bot die Möglichkeit für eine gemütliche Runde, so dass der Abend mit Essen, Trinken und Reden wie im Fluge verging. Emi zeigte uns ihre Kalligraphie-Künste und als Abschiedsgeschenk bekam jede Gastfamilien selbstbemalte Fächer mit Kanjis, die unsere Gäste uns zugeordnet hatten. Wir konnten es uns nicht nehmen lassen, dass Schachtalent unsere jugendlichen Gäste nochmals hervorzuheben und Ihnen zum Abschied jeweils ein Schachbrett zu überreichen.

Erst als die Dunkelheit schon längst hereingebrochen war und langsam aber sicher die Insekten die Herrschaft über die Lokalität übernehmen wollten, schafften wir es uns nach einem überaus herzlichen Abend zu verabschieden und den Weg nach Hause zum Kofferpacken anzutreten.

Tag 7: »Time to say goodbye ...«

10:10 Uhr Duisburg Hauptbahnhof Gleis 12 ... die nackten Daten zur Abreise nach einer bewegenden Zeit ... Mit genügend zeitlichem Spielraum und einem guten Frühstück starteten wir in den Tag. Am Vorabend hatte sich Tsuyoshi noch entschlossen zur merklichen Erleichterung seines Koffers ein Paket nach Japan zu verschicken. Wer die Deutsche Post kennt, weiß, dass sich dieses Unterfangen einfacher anhört, als es sich dann in der Realität darstellt. 'Mal eben' noch Formular CN23 ausgefüllt und schwups heißt es 'ab geht die Post'. Knapp aber klar schafften wir auch diese Herausforderung!

Dass die Deutsche Bahn ihre 15 minütige Verspätung von der Hinfahrt (siehe auch Tag 1) binnen sechs Tagen nicht aufholen würde, war unerwartet aber aufgrund der Erfahrung mit der DB nicht unbedingt unvorhersehbar. Dementsprechend 'pünktlich' machte sich unsere japanische Gruppe in Begleitung des Dolmetschers und von Fabian auf den Weg nach Berlin. Da der 'Zielkorridor' zur Ankunft in Berlin breit genug war und wir unser Timing auf die gewöhnlichen Verspätungen der DB abgestimmt hatten, landete die Gruppe quasi pünktlich gegen halb vier in Berlin.

In typischem Berliner Hauptstadtchaos fuhr der Bus, der die Gruppe zur Jugendherberge für die letzten beiden Nächte in Deutschland brachte, kurz und schmerzlos ab und entführte sie quasi, so dass hier keine Zeit für herzergreifende Abschiedsszenen blieb.

Fabian Grimm

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