DVM 2024 - U10 in Düsseldorf - Tag 1
Am 2. Weihnachtstag noch voll von Stollen, Lebkuchen, Gänsen und anderen Leckereinen, reich beschenkt vom Weihnachtsmann, an den manche in dem Alter noch glauben, reisten 40 Teams der U10 in die Landeshauptstadt Düsseldorf, denn zum zweiten Mal hatte der Düsseldorfer SK zur DVM U10 gerufen, unterstützt vom Nachbarverein Düsseldorfer SV.
Düsseldorf begrüßt die kleinen Gäste mit Sonnenschein
Begrüßt wurden sie mit strahlendem Sonnenschein und einem eindrucksvollen Sonnenuntergang über dem Rhein, denn die Jugendherberge liegt fast direkt am Rhein. Und heute am ersten Turniertag, der mit einem Frühstück früh ab 7 Uhr begann, viele von den Kleinen waren natürlich schon wach und störten den Schlaf der Älteren, färbte sich der Himmel schon wieder rot – Sonnenaufgang.
Doch für solche Ausblicke haben weder die Kleinen noch die vielen, vielen Eltern, Betreuenden kein Auge, gilt es doch jetzt den Kampf, um den Meistertitel aufzunehmen. Und wie immer die Voraussetzungen sind sehr unterschiedlich. Die einen freuen sich dabei zu sein auf ihrer ersten Deutschen Meisterschaft, andere hingegen wollen unbedingt mit aller Macht Deutscher Meister werden.
Und so konnte man in der Mittagspause nach der ersten Runde, die eigentlich keine Überraschungen brachte, auch schon ein Team in Krisenstimmung sehen. Der Betreuer baute sich vor ihnen auf, und sprach mit zorniger Stimme, er sei tief enttäuscht von den Leistungen der Vier. So nicht und sie sollen sich gefällig zusammenreißen in den nächsten Runden. So kann man Kindern auch den Spaß am Schach erhalten und sie motivieren! Andere tun dies mehr mit Lob und guten Worten. Eine Variante, die doch vorzuziehen ist.
Mal sehen, wie es heute nach der dritten Runde des Auftakttages aussieht, ob man da schon so etwas wie Favoritenstürze oder Überraschungsmannschaften ausmachen kann.
Festzuhalten bleibt, die U10 ist gut ins Turnier gekommen, die Technik läuft, so kann es weitergehen.
Zahnlos in Düsseldorf
Nach dem verhaltenen Start gab es in Runde 2 des ersten Tages gleich viel zu tun für die Schiedsrichtercrew.
Es begann gleich zu Beginn mit einem heftigen Wutanfall an Tisch 20. „Die berührt-geführt-Regel ist sowas von ungerecht“, toppte der Spieler und beschimpfte den Schiedsrichter, der auf Einhalten der Regel bestand. Wenn die Regel schon doof ist, dann ist es der Schiedsrichter natürlich auch. Es flogen Figuren, die Mitschrift der Partie wurde verweigert, aber dann irgendwann hatte sich der Junge wieder im Griff und die Partie wurde wie eine ordentliche Schachpartie fortgesetzt. Doch schon wieder einige Tische weiter, gab es erneut Streit um diese doch gar nicht so neue Regel. „Sie hat mich irritiert und sie ist schuld, dass ich den falschen Zug gemacht habe“, wetterte ein Spieler. Auch hier kehrte wieder Ruhe ein doch die Partie sollte viele, viele Züge später das Schiedsrichterteam noch beschäftigen.
Zuvor jedoch gab es ein anderes, schwerwiegendes Problem zu lösen. „Mir ist ein Zahn rausgeflogen“, klagte ein Spieler aus Dresden. Wie das? Zu hart vor Wut zugebissen? Zu heftig vor Nervosität mit den Zähnen geknirscht? Man weiß es nicht. Harald Koppen, der Nationale Spielleiter der DSJ, machte sich auf die Suche und er fand tatsächlich den Zahn und konnte ihn dem Besitzer zurückgeben. Dieser spielte übrigens nach der kurzen Schreckensphase unbekümmert seine Partie zu Ende.
Mit den kindgerechten Regeln, die neu gefasst wurden, wird ja die DVM U10 gespielt. Da geht man eigentlich davon aus, dass das Schachwissen schon relativ weit fortgeschritten ist. Dass das jedoch ein dehnbarer Begriff ist, merkt man im Turniersaal schnell. So haben einige Kinder enorme Probleme eine Partie mitzuschreiben und zurecht wurden auf dringenden Wunsch der Begleitpersonen schnell noch am Vorbereitungsabend alle Übertragungsbretter mit Buchstaben und Zahlen versehen.
Überhaupt die Übertragungsbretter, kam es früher zu einem ungültigen Zug und dieser blieb unbemerkt, wurde die Partie einfach weitergespielt. Jetzt greift die Technik ein. Im Kampf Stadtilm gegen Rommelshausen lief die letzte Partie des Tages, die aufgrund der 5 Sekunden Bonuszeit pro Zug schon ganz schön lange dauerte. Sie waren schon fast am Ende des zweiten Partieformulars angekommen, beide nur Sekunden auf er Uhr, als die Technik einschritt und feststellte, dass vor rund 20 Zügen der Springer sich wie ein Turm aber eben nicht wie ein Springer fortbewegt hatte. Das hatte nun zum Erstaunen der beiden Kinder zur Folge, dass eine Stellung und die Bedenkzeit von vor rund 20 Züge rekonstruiert wurden, und die Schlacht von neuem begann. Alles regelkonform doch für die beiden Kinder recht unverständlich, was die Schiedsrichter um sie herum da so anrichteten. Sie blitzten aber dann doch noch die Partie zu Ende und zum Glück endete sie auch so, wie es vor dem Eingriff der Technik auch den Anschein hatte. Denn die Partie entschied den Mannschaftskampf, Unentschieden oder Sieg für Stadtilm hieß bei der Partie die Frage. Es wurde ein Sieg für Stadtilm.
Das Ganze hatte zur Folge, eine späte Auslosung, späte und kurze Vorbereitung auf den Gegner, dafür für die beteiligten Mannschaften der Langpartie ein späterer Start in Runde 3 des Tages, der gleich mit einem Verarztung-Einsatz von Harald begann. Ein Kind hatte sich am Partieformular geschnitten!
Die Hundertprozentigen aus Düsseldorf
Drei Runden sind gespielt, der erste Turniertag ist Geschichte. Zeit sich das schachliche Geschehen auf dem Brett in Augenschein zu nehmen.
Wie üblich bei der dritten Runde eines Tages, fiel es nicht allen leicht, die Konzentration hochzuhalten. Das hatte zur Folge, dass es hektischer wurde im Turniersaal, die Niederlagen erfolgten schneller als normal, einfache Mattbilder nach kurzer Zugfolge traten auf. Das heißt aber nicht, dass die dritte Runde nicht spannend verlief und frei von Überraschungen blieb.
Eine Überraschung war, dass der vermeintliche Turnierfavorit Hamburger SK, er liegt an Platz 1 der Setzliste mit einem Vorsprung von 34 DWZ-Punkten vor den Berlinern SV Empor, gegen die Setzlistennummer 6 SF Heidelberg eine Niederlage mit 1,5:2,5 Punkten einstecken musste. Und die zeichnete sich schon frühzeitig ab. Die Schachfreunde Heidelberg gehen mit einer, schaut man sich die DWZ an, taktischen Aufstellung ins Rennen. Vorne soll Wolf Fabritius blocken, damit die Bretter hinter ihm die vollen Punkte holen. Die Taktik ging bisher auf. So auch gegen den HSK. Vorne ein Remis, volle Punkte an Brett 2 und 4, fertig ist der Sieg mit 2,5 Punkten.
Das heißt aber nicht, den HSK abzuschreiben. Da haben alle Mannschaften das Siegergen im Blut und es sind noch 4 Runden Zeit, alles wieder gerade zu rücken.
Die Mannschaft Nr. 1 kommt aber derzeit aus Hessen. Der SV Oberursel hat eine blütenweiße Weste und das optimale Ergebnis eingespielt. Dreimal angetreten, dreimal gewonnen, dreimal mit 4:0! Mehr geht nicht. Hoffen wir für die jungen Hessen, dass damit die Luft nicht raus ist und sie das Tempo beibehalten können, zumindest annähernd.
Dritter im Bunde der 6:0 Mannschaften ist der SV Empor Berlin, auch ein Dauergast in den Tabellenspitzen der jüngeren Jahrgänge. Am 2. Turniertag in Runde 4 kommt es zum Duell Empor gegen Oberursel. Schon eine Vorentscheidung?
Mit 5:1 Punkten in Lauerstellung befinden sich die TSG Oberschöneweide, der SK Münster 32 und der Königsspringer SC aus Hamburg. Direkt danach folgt der Hamburger SK.
Doch wie gesagt, es sind noch 4 Runden zu spielen und da kann noch viel passieren, genauso wie noch viel Wasser den Rhein hinunterfließt. Auch die Mannschaften mit 4:2 Punkten wollen ja noch ein Wort im Kampf um die Tabellenspitze mitreden.
Der Kampf um die Umgehung der roten Laterne ist übrigens noch genau so offen, wie der um die Spitze. Auch am Tabellenende ist noch alles möglich.
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