Schulschachkongress erfolgreich durchgeführt
Sechzig Lehrer:innen, Trainer:innen, AG-Leiter:innen trafen sich in Braunschweig unter den Bedingungen der 2G-Regeln zum Schulschachkongress und die Freude bei ihnen, dass die Deutsche Schachjugend e.V. und die Deutsche Schulschachstiftung e.V. den Mut gehabt hatten dieses Angebot aufrecht zu erhalten, war groß.
Corona bestimmt das Leben und alle Planungen, man kommt nicht drumherum. So musste der eigentliche Ausrichter in Herford den Kongress zurückgeben. Das geplante Hotel stand nicht zur Verfügung, da die Bauarbeiten am Hotel aufgrund von Corona eingestellt worden waren. Also wieder den Kongress ausfallen lassen wie in 2020? Nein, sagten sich die Verantwortlichen. Schulschach leidet wie der gesamte Schulbereich unter Corona, da wollte man diese größte Austauschveranstaltung Schulschachbereich nicht auch noch opfern. Alle im Schulschach Tätigen sollten die Möglichkeit bekommen sich wieder zu treffen, sich auszutauschen, gemeinsam Mut zu schöpfen für die nächsten Monate. Also machte sich die Geschäftsstelle und der Arbeitskreis Schulschach daran, schnell eine alternative Ausrichtung zu organisieren. Natürlich etwas abgespeckt, aber stattfinden sollte sie.
Mit dem Michel Hotel in Braunschweig fand sich ein optimaler Tagungsort mit großen Räumlichkeiten, in denen man den Abstand einhalten konnte. Statt sieben parallele Workshops gab es diesmal vier. Aber sonst lief alles im bekannten Rahmen ab. Nur das Rahmenprogramm am Samstagabend bei der schachpädagogischen Nacht musste geändert werden, der angefragte und engagierte Künstler musste in Quarantäne gehen. Aber auch das wurde gemeistert.
„Neustart im Schulschach – aber wie?"
Unter diesem Motto standen der Kongress und auch die Podiumsdiskussion am Freitagabend. Mit Helge Frowein, Schulschachreferent DSJ, und Patrick Wiebe, AK Schulschach, Stellvertretener Rektor einer Förderschule, saßen zwei ausgewiesene Schulschachexperten auf der Bühne. Für den Vereinssport trat der Präsident des Niedersächsischen Schachverbandes und Vizepräsident des Landesportbundes Michael S. Langer an und das Präsidiumsmitglied des Stadtsportbundes Paulina Hölfeld. Der Schachsport und auch das Schulschach konnten viele Angebote online aufrechterhalten und kamen damit besser durch die Coronakrise als viele andere Sportarten. Doch wie viel online soll bleiben nach Corona? Oder sollte Schulschach wieder genau so stattfinden wie vor Corona? Darum drehte sich alles in der Diskussion und beide Lager waren argumentativ gut vertreten. Die DSJ zumindest verfolgt den Weg, Schulschach wieder präsent anzubieten, aber Elemente des Onlineangebotes zu erhalten, da wo es eine gute Ergänzung des Angebotes sein kann.
Themen aufgreifen in den Workshops
Der Kongress wurde eröffnet mit einer Videogrußbotschaft des Niedersächsischen Kultusministers Grant Hendrik Tonne. Der Minister outete sich als Schachspieler, der regelmäßig die Schachzeitung „JugendSchach“ liest, und sich freute, dass der Kongress Impulse für ein Wiederaufleben des Schachs an Schulen geben möchte. Schach sei ein bedeutendes Angebot in den Schulen, sagte Minister Tonne.
Die Diskussionspunkte von Freitag wurden aufgriffen in den vielen Workshops am Samstag. So zum Beispiel in den Workshops „Online-Tools für das Schulschach“ oder „Schulschach-AGs mit Lichess aufwerten“. Der klassische Teil wurde unter anderen abgedeckt durch „Schachvarianten für das Schulschachtraining“, „Methodenauswahl im Schachunterricht“, „Turnierorganisation und Fairplay im Schulschach“.
Seit längerer Zeit sind die Praxisteile ein fester Bestandteil des Kongresses. Wie zum Beispiel die beispielhaften Trainingseinheiten mit Kindern und Jugendlichen. Neu war aber diesmal, dass Patrick Wiebe eine Trainingsstunde mit Jugendlichen aus seiner Förderschule beispielhaft zeigte. Es herrscht ja oft die Skepsis vor, ob Schach wirklich für alle etwas ist, oder nur für bestimmte Schülergruppen. Hier wurde sehr eindrücklich gezeigt Schach ist für alle ein Angebot, von allen erlernbar und es wird von allen mit Begeisterung gespielt.
„Geschlechtssensible Lehrmaterialien“ hießt der Workshop mit Silke Schwartau. Es wurde das völlig neue Lehrmaterial nur für Mädchen vorgestellt. „Jetzt sind wir Mädels am Zug!“ heißt das erste Lehrheft, das sich nur der Zielgruppe Mädchen widmet mit einer eigenen Sprache, mit einem eigenen Layout, und damit endlich dem männlich dominierten Lehrmaterial etwas entgegenstellt. Unbedingt anschaffen kann man nur allen zurufen. Mehr dazu anhören im Podcast von schachtraining.de auf https://www.youtube.com/watch?v=UNdWyGPZg38 mit Laura und Silke.
Nach getaner Arbeit
Abgerundet wurde der Kongress mit der „schachpädagogischen Nacht“, ein Begriff den keiner erklären kann, aber der sich fest verankert hat. Dabei geht es darum, bei einem guten, reichhaltigen Essen, einem guten Getränk miteinander ins Gespräch und den Austausch zu kommen. Sich vernetzen heißt das auch. Unterbrochen werden diese Gespräche ab und an durch verschiedene Programmpunkte wie die Ehrung Lehrer:in des Jahres, AG-Leiter:in des Jahres und durch künstlerische Einlagen.
Der verhinderte Schachkünstler wurde von Patrick Wiebe ersetzt, der mit einem 64-Fragenspiel über Braunschweig und Schach die Teilnehmenden noch einmal ins Schwitzen brachte.
Sonntag geht’s weiter
Am Sonntag diskutierten die Deutschen Schachschulen den Wiedereinstieg ins Schachleben und vor allem auch die Umgestaltung der Qualitätssiegel für Schachschulen. Parallel dazu tagten die Schulschachreferenten der Landesschachjugenden und griffen die Diskussion von Freitagabend auf, was steht an im Schulschach in der nächsten Zeit, welche altbekannten Angebote sollen stattfinden? Die Deutschen Schulschachmeisterschaften im Mai 2022, der Schul-Team-Cup online, der Schulschachkongress in Präsenz, die Austauschforen Schulschach online zum Beispiel.
Abgerundet wurde das Wochenende mit der Mitgliederversammlung der Deutschen Schulschachstiftung. Dort wurde Walter Rädler zum neuen Vorsitzenden gewählt.
Michael May, Schachlehrer an mehreren Grundschulen in Hannover stellt die Arbeit an seinen Schulen in einer kleinen Ausstellung vor. Es findet an jeder seiner Schule einmal im Jahr ein Schachtag statt, an denen sich dann alle Schüler:innen mit Schach beschäftigen. Zum Beispiel auch künstlerisch.
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