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Interview mit dem dsj-Vorstandsmitglied Kirsten Hasenpusch zum Thema Fairplay im Sport

Ende Mai haben wir euch über eine Woche lang zum Thema Fairplay informiert, Beispiele für sportliches Verhalten am Brett geliefert und euch unsere Vereinbarung zum Fairplay für Vereine vorgestellt. In der Zeit haben wir aber nicht nur mit SchachspielerInnen gesprochen, sondern auch Teile des Vorstands der Deutschen Sportjugend interviewt. Viel Spaß beim Lesen!


Hallo Kirsten, schön dass du dich bereit erklärt hast, einige Fragen zum Thema Fairplay zu beantworten. Bevor wir mit den eigentlichen Fragen starten, stellst du dich bitte einmal unseren Leserinnen und Lesern vor?

Ich bin Kirsten Hasenpusch, 26 Jahre alt und Mitglied im Vorstand der Deutschen Sportjugend. Außerdem bin ich Sprecherin des Deutschen Nationalkomitees für Internationale Jugendarbeit (DNK). Auf allen Ebenen – wie auch im Motorsport – setze ich mich für einen fairen Umgang miteinander ein.

Der Fairplay-Begriff umfasst ja nicht nur die Einhaltung der geltenden Regeln, sondern

„beschreibt vielmehr eine Haltung des Sportlers: den Respekt vor dem sportlichen Gegner und die Wahrung seiner physischen und psychischen Unversehrtheit. Fair verhält sich derjenige Sportler, der vom anderen her denkt.“

Welcher Sportler/welche Sportlerin würde dir spontan einfallen, wenn es darum geht, diese Haltung im Sport zu zeigen und warum?

Dazu fällt mir zunächst mal nicht ein einzelner Sportler, eine einzelne Sportlerin sein, sondern eine grundsätzliche Haltung, auch des Publikums:
Wenn die „gegnerischen“ Mannschaft ebenso wie die Heimmannschaft mit Respekt behandelt und mit Beifall begrüßt wird. Einen Höhepunkt dieser Haltung konnte man erleben, noch bevor klar war, dass Dirk Nowitzki tatsächlich aufhört. Er wurde in der NBA Saison des Öfteren auch von gegnerischen Spielern, Fans und Trainerstäben gefeiert. Dieser Respekt ihm und seiner Leistung gegenüber ist toll. Dass Trainer eine Auszeit nehmen, um den gegnerischen Spieler zu würdigen, ist Wahnsinn und hat mir mehrmals in der Saison Gänsehaut bereitet.

Mal ein Blick über die Landesgrenzen; Ihr seid international gut vernetzt. Wie greifen Sportjugenden aus anderen Ländern das Thema Fairplay auf?
Die Frage ist nicht leicht zu beantworten. Das fängt schon mal damit an, dass wir in keinem andern Land eine mit der deutschen vergleichbaren Sportjugendstruktur haben. Über das europäische Netzwerk ENGSO Jugend haben wir Kontakt mit andern Sportdachverbänden, die sich ausgewählten Jugendfragen annehmen. Hier geht dann zunächst um ein Verständnis davon, dass es fair sein muss, junge Menschen an Prozessen im Verband zu beteiligen. Es gibt in vielen Ländern Fair-Play-Verbände, die wiederum international zusammengeschlossen sind.

Doping, Wettmanipulation, Gewalt im Sport; Wie könnt ihr diesen negativen Entwicklungen im Sport entgegenwirken und wie können euch einzelne Sportarten dabei unterstützen?
Vor allem mit präventiven Maßnahmen. Dazu gehört, Kindern und Jugendlichen früh die Werte des Sports und der Achtung vor dem sportlichen „Gegner“, zu vermitteln. Je früher man damit anfängt, desto mehr können die Kinder und Jugendliche die Werte verinnerlichen und lernen Haltung zu zeigen.
Fair Play Turniere sind ebenfalls ein guter Ansatz. Dort lernen Kinder und Jugendliche nicht nur das Gewinnen, sondern auch die faire Bewertung unter Anerkennung der Regeln und den partnerschaftlichen Umgang miteinander. Sie lernen auch dem Gegenüber Respekt und Toleranz zu zeigen.
Diese täglichen Handlungsweisen an der Basis unterstützt die Deutsche Sportjugend mit präventiven Angeboten, wie z.B. den Juniorbotschafter*innen Dopingprävention, dem umfangreichen Konzept zur Prävention sexualisierter Gewalt im Sport und mit vielen Ideen zur Demokratieförderung.

Vor allem für Kinder sind ungeschriebene Regeln, wie beim Fairplay im Sport, schwer zu verstehen. Wie könnte ein spielerisches Heranführen in Zukunft besser gelingen?
Jede Vereinsgruppe hat die Möglichkeit, Regeln für die eigene Gruppe und ihr Verhalten aufzustellen. Die kann man auch aufschreiben, zeichnen und vor allem untereinander vereinbaren. Man kann von positiven Beispielen berichten, wie z.B. von Sportler*innen, die sich gegenseitig unterstützen, denn Kinder orientieren sich an Vorbildern und eifern diesen nach.
Auch nach einem Spiel kann man in einer kleinen Nachbesprechung besonders faire Verhaltensweisen hervorheben. Die Steigerung davon sind Fair-Play Turniere/Spiele, bei denen nicht der/die Beste sondern der/die Fairste gewinnt. Wichtiger finde ich jedoch, dass Kinder faires Verhalten internalisieren.

Erinnerst du dich noch an einen Moment in deiner Sportkarriere, bei der du dir dachtest: „Mit Fairplay hatte diese Handlung jetzt nichts zu tun“?
Früher habe ich Fußball gespielt, da gab es öfter Pöbeleien gegen einzelne Spielerinnen und vor allem auch gegen den/die Schiedsrichter*innen. Solche Verhaltensweisen haben meiner Meinung nach nichts im Fußball und im Sport generell verloren.
Persönlich betroffen war ich auch bei einem Kartrennen, bei dem ich auf Platz 1 lag, wurde ich vom Zweitplatzieren absichtlich von der Strecke gedrängt, da er sich nicht von einem Mädchen den Rang ablaufen lassen wollte.

Was würdest du dir für die Zukunft des Fairplay‘s im Sport wünschen?
Insbesondere für Kinder wünsche ich mir, dass die Eltern weniger ehrgeizig sind und ihre Kinder nicht zu Höchstleistungen ohne Rücksicht auf andere antreiben. Ich wünsche mir mehr Vorbilder auch im Profibereich und Leistungssport. Während man bei breitensportlichen Veranstaltungen häufig faire Gesten und Verhaltensweisen erlebt, sollten sich besonders Profis und Leistungssportler*innen ihrer Verantwortung bewusst sein, dass Kinder und Jugendliche ihnen nacheifern und ggf. auch schlechte Verhaltensweisen übernehmen und adaptieren.

 

Ich danke dir für dieses interessante Interview und wünsche dir alles Gute!

 

 

 


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