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Berge, Reisfelder, Hochhäuser - Taragi, Kumamoto - Toookyooo 03.08. - 09.08.

Tag 11 – Vom Zuschauer zum Hauptakteur

Der Abschied in Fukuoka war wieder sehr emotional, da viele ihre Gastfamilien wieder sehr lieb gewonnen hatten. Auf Wunsch unseres Regionalbetreuers sagte jeder Teilnehmer ein paar Worte über die vergangenen Tage. Und dann war es wieder soweit – unsere neuen Regionalbetreuer aus der Präfektur Kumamoto entführten uns ins nächste Programm.

Kurz vorm Ziel durften wir noch eine weitere Kostprobe der japanischen Mentalität genießen: Um einer Betreuerin zu ermöglichen, vor uns anzukommen (und um das Dorf vorzuwarnen?), warteten wir etwa eine halbe Stunde auf einem Parkplatz.

In unserer neuen temporären Heimat Taragi besuchten wir zunächst den stellvertretenden Bürgermeister, ehe wir ins Zughotel, dem Blue Train Taragi, eincheckten. Ein solches Hotel hätten die Meisten von uns wohl nur in einer Region mit Platzmangel wie Tokyo vermutet. In einem Zimmer von zwei Metern Höhe und einem Meter Breite schläft man nicht alle Tage. Keiner hätte erwartet, dass das Öffnen des Koffers eine so große Herausforderung darstellen könnte. Doch für eine Nacht war es eine sehr interessante Erfahrung.

Anschließend musste ein Teilnehmender mit unserer Dolmetscherin Chie zum Arzt fahren, während die anderen zur Empfangsfeier gingen, auf der Chie übersetzen sollte. Da wir bis dahin noch nicht gelernt hatten unsere Dolmetscherin zu klonen, führte dies zu einer komischen Situation. 8 Deutsche sitzen ca. 30 Japanern gegenüber, keiner ist der anderen Sprache mächtig, Englisch Fehlanzeige (zumindest auf japanischer Seite), nettes gegenseitiges Anlächeln und die Frage, wie‘s weitergeht. Die Lösung: Mutsuki, 18 Jahre, Japaner, Schüler an der deutschen Schule in Yokohama, frischgebackener Abiturient und zukünftiger Student in Bonn. Wie der Zufall es will, war dieser gerade bei seiner Großmutter nahe Taragi zu Besuch und hatte über die Zeitung von unserem Besuch erfahren. Gerade noch interessierter Zuschauer, plötzlich Aushilfsdolmetscher.

Nach der Empfangsparty besuchten wir den nahegelegenen Onsen. Er diente uns als Ausgleich dafür, dass es im Zug keine größeren Waschmöglichkeiten gab.

 

 

Tag 12 – Wenn Nudeln und Fledermäuse tanzen

In aller Frühe startete der Tag mit japanischer Morgengymnastik, allerdings etwas früher, als zur üblichen Zeit, da wir noch unser Frühstück erjagen mussten. Das Jagdgebiet war der örtliche convenience store (Konbini). Wir wurden mit 1000yen pro Person bewaffnet und komisch beäugt als wir alles zusammen(er-)legten.

Um zehn Uhr stand dann der ominöse Punkt „Waldtherapie“ im Programmheft. Dies stellte sich als eine Wanderung in einem naturbelassenen Wald heraus. Der Weg erwies sich als steiler, als erwartet. Das hat jedoch Eva nicht davon abgehalten, bei regenwaldähnlichen Bedingungen barfuß zu gehen. Eine große Besonderheit dieses Waldes sind die riesigen Zedernbäume von denen der Kleinste mit 6 m Umfang schon größer als die Meisten anderen Bäume ist. Die Torii wiesen den Weg zu dem Shinto-Schrein auf dem Gipfel, den wir aus Zeitgründen leider nicht besichtigen konnten. In diesem Naturparadies fanden wir auch einige extrem seltene Schmetterlinge, die sich zum Trinken von dem Baumkronen herab bewegt hatten. Zum Schutz der Schmetterlinge fing ein Japaner etwa handgroße Libellen mit dem Kescher weg. Ein Exemplar kam dabei zu Tode. Es wird nun von Evas Opa in Ehren gehalten.

Das Mittagessen haben wir uns selbst gefangen, sowohl die Fische, als auch die Nudeln.

Zunächst fingen wir eigenhändig Fische, die zu unserem Entsetzen ohne Betäubung ausgenommen wurden. Der Hauptteil des Essens bestand jedoch aus sogenannten fließenden Somen (spezielle Nudeln, die kalt in einem Ring aus Wasser fließen und mit Stäbchen „gefangen“ werden), die mit Sojasauce, Lauch und Ingwer gegessen wurden. Für viele war die Erfahrung, einen Fisch mit Stäbchen zu filetieren sehr interessant.

Am Nachmittag ging es dann zur Besichtigung der Kounomizo-Bewässerungsanlage, die vor etwas mehr als 300 Jahren errichtet wurde. Als Einführung schauten wir in einem kaum klimatisierten Raum einige Filme mit einschläfernder Musik, bei dem fast alle wegnickten. 45°C, Übermüdung, beruhigende Musik – dagegen kommt man einfach nicht an. Die anschließende Besichtigung der tatsächlichen Bewässerungstunnel führte zu einer mittelschweren Katastrophe. Kurz hinter dem Eingang kam Chie vom Weg ab und stürzte. Ein besorgter Julian, der seine Pflicht als Rettungsassistent wahrnehmen wollte, kämpfte sich daraufhin durch die Teilnehmer hindurch. Dies ist bei einer durchschnittlichen Tunnelbreite von 50cm und Höhe zwischen 80 und 150cm gar nicht so einfach. Für Chie war hier Schluss - für alle anderen ging es dann durch den teilweise extrem engen Tunnel weiter. Die kühlen Gänge sind das perfekte Revier für Fledermäuse, die uns mit viel Geflatter entgegenkamen. Sie hatten anscheinend weniger Berührungsängste als wir.

Doch es gab Licht am Ende des Tunnels: Wir trafen Chie in unserer nächsten Unterkunft wieder.

Die komfortablen Hütten sind an einem bewaldeten Berg gelegen. Um dorthin zu gelangen, mussten wir eine Hängebrücke überqueren. Das war für die Leute mit Höhenangst ein besonders spannendes Erlebnis.

Wir erfrischten uns im hoteleigenen Onsen bevor es auf das Sommerfest ging. Der Programmpunkt suggerierte ein großes Straßenfest, dies war allerdings nicht der Fall. Es handelte sich um ein privates Gartenfest mit reichlich Essen und Livemusik. Einige Teilnehmer tanzten sogar (taktbegründet Cha-Cha-Cha und Rumba). Der Abend endete in unserer letzten Packparty.


Tag 13 – typisch japanische Gastfreundschaft - Wassermelonenschlagen

Der folgende Tag begann mit einem Spaziergang auf dem Fürstenweg, durch verschiedene Bambuswälder hindurch. An unserem Ziel angekommen, probierten wir die japanische Form des Topfschlagens. Man nehme eine Plane, einen Holzschläger, eine Wassermelone, ein Versuchsopfer und ein freundliches Publikum. Beim Wassermelonenschlagen wird man auf japanisch in die Richtung gelotst in der die Wassermelone liegt und muss anhand der Beschreibung einen gezielten Schlag mit dem Stab landen. Sollte man nicht treffen oder die Wassermelone nicht beschädigen, ist der Nächste an der Reihe.

Anschließend besichtigten wir ein altes traditionelles Haus. Gerade da nicht alle Teilnehmer bei ihren Gastfamilien in den Genuss solcher Häuser gekommen sind, ein umso beeindruckender Programmpunkt. In unmittelbarer Nähe dazu gibt es eine Art Gemeindehaus, in dem wir sowohl zu Mittag (Somen und Onigiri) aßen als auch unser Nachmittagsprogramm antraten. So kam es, dass wir zum ersten Mal innerhalb Japans mit Schachbrettern in Kontakt kamen und mit Händen, Füßen und Gummibärchen Grundschülern die Schachregeln beibrachten. Danach schlüpften wir wieder in die Schülerrolle und probierten traditionelle Handwerke aus. Hierbei handelte es sich um die Fertigung von Bambusfliegern und Haarspangen mit aufgeklebten, selbstgemachten Stoffblümchen.

Am Abend ging es dann in die dritte und letzte Runde des Unterkunftenhoppings in Kumamoto. Diesmal nach Geschlechtern getrennt in zwei kilometerweit auseinander liegenden Gästehäusern, eines malerisch von Reisfeldern umgeben, das andere umgeben von malerischen Reisfeldern.


Tag 14 – Lanzenstechen auf‘m Bergsee

Der letzte volle Tag im Regionalprogramm – dazu begaben wir uns an einen idyllischen Bergsee. Stand-Up-Paddling stand auf dem Zeitplan. Da es hier schon länger nicht mehr geregnet hatte, war der Wasserstand sehr niedrig und um in das Wasser zu kommen, mussten wir uns zunächst durch eine knietiefe Schlammschicht kämpfen (Schlammschlacht!!!).

Nachdem wir uns wieder vom Schlamm befreit hatten, ging es zum Mittagessen in ein Restaurant, das für eine Art Ramen mit viel Gemüse und Meeresfrüchten und viel zu großen Portionen bekannt ist. Im Anschluss besuchten wir eine Ausstellung mit optischen Täuschungen. Die Bilder aus einem Manga erweckten einen dreidimensionalen Eindruck, sodass viele lustige Fotos entstanden. Clara wurde von einer Hexe gekocht, Alisa und Lara flogen auf einem Teppich davon, Erick wurde von einem Seeungeheuer gefressen (10% Schwund ist lt. DSJ-Geschäftsstelle in Ordnung) und unser Gruppenleiter wurde geschrumpft und von RIESEN-Eva ausgelacht. Am Abend stand dann die dritte und letzte Sayonaraparty an. Neben lockeren Gesprächen mit Japanern und Deutschen haben wir hier, wie es mittlerweile bei uns üblich war, Karaoke gesungen (besonders hervorzuheben ist hier das Intro zum Anime Hunter x Hunter, das von Deutschen auf japanisch gesungen wurde) und etwas getanzt.


Tag 15 – Tschüss 九州!

Am nächsten Tag ging es dann auch schon nach Tokyo. Auf dem Weg zum Flughafen hielten wir noch einmal an einem Schrein, dem Aoi Aso-Jinja Schrein. Unsere Regionalbetreuer verabschiedeten sich mit den Worten, wenn sie etwas am Programm ändern würden, würden sie jeden Tag Karaoke mit aufnehmen.

In Tokyo-Haneda angekommen ging es das erste Mal durch die berühmte U-Bahn Tokyos zu unserem Hotel, dem Shinagawa-Prince Hotel. Aufgrund der nur kurzen Zeit, die wir in Tokyo haben würden, machten sich alle von uns auf den Weg ins Innere von Tokyo (und waren von dem komplizierten Zugsystem sofort überfordert). Einzig die bemitleidenswerten Gruppensprecher und -leiter durften sich den Abend mit der Gruppenleiterbesprechung vertreiben. Ganz spät Abends wurde dann im Risotto-Cafe, einer gemütlichen Sofa-Bar im 8. Stock in den Geburtstag von Swenja hineingefeiert.


Tag 16 – Das Frühstück war geil!

Früh am Morgen hatte wir die Auswahl zwischen fünf verschiedenen Frühstücksrestaurants. Wir trafen anscheinend die richtige Wahl. Das Essen reichte von typisch japanisch bis hin zu europäisch. Allein dafür hatte sich Tokyo schon gelohnt.

Den freien Tag hat unsere Gruppe unterschiedlich genutzt. Der Großteil machte einen Trip von Shinjuku über Harajuku nach Shibuya. Was quasi heißt: Shoppen, shoppen, Eulencafé, shoppen. Zwischendrin besorgten sie ein paar Tigermützen im 100 Yen Shop. (Wie macht der japanische Tiger? Llll!) Die Grenzen eines Fotoautomaten wurden ebenfalls ausgetestet. 11 Gesichter sind das Maximum.

Die kleinere Gruppe, die eher an Anime und Manga interessiert war, verbrachte die gesamte Zeit im Elektronik- und Animeviertel Akihabara, um dort den Läden möglichst ausführliche Besuche abzustatten und auch um dort einiges an Geld für Mangas, Figuren, CDs und sonstigen Merchandise auszugeben.

Die Sayonaraparty in Tokyo war anders als die regionalen Abschiedsveranstaltungen. Es wurden längere Reden von den Organisatoren sowie Politikern gehalten und anschließend alle Gruppenpräsentationen in ihren finalen Formen vorgeführt. Durch die Morphsuits hat niemand bemerkt, dass sich in unsere Präsentation ein Japaner dazu geschummelt hatte. Die Sportjugend Tokyo hat eine kleine Mitmachaktion eingestreut.

Nach diesen Stunden haben wir taifunbedingt Essen in einem Konbini besorgt. Uns wurde geraten das Hotel nicht mehr zu verlassen.


Tag 17 – Herzlicher Abschied

Der Abreisetag gestaltete sich als recht entspannt, da der Flieger erst um 14:05 abheben sollte. Chie traf zur Abreise zu uns, am Vorabend konnte sie durch den Taifun nicht zur Sayonaraparty kommen.

Am Flughafen angekommen hatten wir noch etwas Zeit, die letzten Yen zu verschleudern oder die letzten Postkarten fertig zuschreiben. Chie hatte sich bereit erklärt diese für uns einzuwerfen.

Vor dem Rückflug nach Deutschland gab es dann noch ein Gruppenfoto mit allen 120 Teilnehmern des 45. Deutsch-Japanischen Simultanaustausches. Das sollte vermutlich als Beweisfoto dienen, um zu zeigen, dass niemand verloren gegangen ist.

Nach dem 12-stündigen Flug mussten wir dann erst einmal feststellen, dass in Frankfurt und Umgebung ein Unwetter tobte. Deshalb zogen wir unsere Kreise über Leipzig bis wir letztendlich die Landeerlaubnis für Frankfurt erhielten. Die Anschlussflüge/-züge hatten quasi alle Verspätung. Früher oder später waren aber alle wieder zu Hause.

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