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| Mädchenschach

Vom Schachbrett zum Tischkickern...

My Linh bei ihrer letzten Weltmeisterschaft 2013 in Al Ain (UAE).

Das sind Tiny und ich beim Daddeln. Ich habe an Pfingsten 2016 mein erstes großes P4P Turnier gespielt und durfte mit ihr mein erstes Damendoppel bestreiten. Ich war noch komplett neu und hatte mich riesig gefreut, an der Seite einer solch erfahrenen und guten Spielerin stehen zu dürfen. Ich habe sie dann später als meine Mentorin getauft. :D

Siegerehrung Deutsche Jugendmeisterschaft 2012. Ich weiß noch genau, wie ich in der letzten Runde eine dramatische Partie gespielt und gewonnen habe und damit meiner guten Freundin Anja Schulz Schützenhilfe leisten konnte. Ich freue mich immer noch, dass sie in ihrem allerletzten Jahr Deutsche Meisterin geworden ist!

Der eine oder andere von euch kennt sie vielleicht noch: Vor drei Jahren hat My Linh noch den dritten Platz auf der DEM U18w belegt, heute spielt sie für den Roten Stern Bremen...allerdings nicht Schach sondern Tischfußball. Vor wenigen Wochen holte sie sich ihren ersten großen Tischfußball-Titel bei der Landesmeisterschaft im Dameneinzel in Bremen.
Wenn dass kein guter Anlass für ein Interview ist, haben wir uns gedacht.

 

Hallo My Linh. Erstmal Gratulation zu deinem Landesmeistertitel im Tischfußball!
Vor vier Jahren hast du noch Platz Drei bei der DEM U18w im Schach belegt, heute bist du Landesmeisterin im Tischfußball. Spielst du denn trotzdem nebenbei noch Schach?

Mein Kapitel Schach als ernsthaften Leistungssport habe ich nach meinem letzten Jugendjahr 2013, in dem ich noch die Deutsche Jugend- und Weltmeisterschaft mitgenommen habe, abgeschlossen. Das Schachspielen war sehr zeitaufwendig (so eine Meisterschaft geht nun mal 1-2 Wochen), wodurch man wirklich gute Freunde gefunden hat. Da fast alle meine Schachfreunde aus den älteren Jahrgängen waren, waren die Meisterschaften in den letzten zwei Jugendjahren schon ein wenig anders. Ich habe jede Meisterschaft als ernsten Sport betrieben, doch die Motivation, dass nach einer 5-Stunden Partie Freunde auf dich warten, war auch ein schöner Faktor.  :)

So habe ich beschlossen mich auf andere Dinge zu konzentrieren (Neue Stadt, Arbeit, Studium…) und Schach hauptsächlich als Trainerin zu betreiben. Ich spiele noch ein bisschen in der Frauenbundesliga und freue mich auch, dass ich diese Saison bei TuRa Harksheide aufgenommen wurde, um das junge Team in der 1. Frauenbundesliga unterstützen zu können.

Und seit wann spielst du so aktiv Tischfußball? 

Ich habe letztens mal auf meinen St. Pauli Ausweis geschaut. Eintrittsdatum: Juli 2014! Mein Freund hat mich zum St. Pauli mitgeschleppt und ich dachte: „Ist doch gar nicht so schlecht hier.“ :D
Als ich dort eingetreten bin, habe ich jeden Mittwoch das DYP („Draw Your Partner“) mitgespielt. Ein Spaß-Turnier, wo Neulinge mit Ligaspielern gelost werden und gemeinsam das Turnier bestreiten. Ein super Einstieg für alle Anfänger, da man dadurch sehr viel lernen kann. Ich hätte aber niemals gedacht, dass ich Tischfußball – so wie es heute ist – als ernsthaften Sport sehen würde. 2015 habe ich recht unregelmäßig am Mittwochstraining bei St. Pauli teilgenommen. Erst seit Anfang 2016 trainiere bzw. beschäftige ich mich damit sehr intensiv und spiele viele Turniere. Ich würde mal sagen mein Studium hat letztes Semester darunter stark gelitten, dieses Semester werde ich das Kickerpensum wohl meinem Studium anpassen müssen. :)

Wie muss man sich denn Tischfußballtraining vorstellen: Übt man gezielt besondere Schüsse und Spielsituation oder heißt es einfach immer nur spielen, spielen, spielen

Leider ist das effektive Training im Tischfußball relativ stumpf. Man übt bestimmte Pässe oder Schüsse einfach die ganze Zeit bis man die Technik gut beherrscht. Trainingsspiele sind dafür natürlich auch sehr hilfreich. Der spannende Teil ist dann die Umsetzung des ganzen im Turnier. Der Aspekt Technik unter Druck ist vor allem eine große Sache. Was ich persönlich sehr interessant finde, ist die Analyse von bestimmten Systemen und Stellungen.

 

Von Schachturnier zu Tischfußballturnier: Kannst du von deiner ganzen Turniererfahrung im Schach jetzt beim Kickern profitieren? 

Über diese Frage denke ich tatsächlich manchmal nach. Ich denke schon, dass ich von meiner Turniererfahrung im Schach profitieren kann. Aber eher im Bereich des analytischen und systematischen Denkens. Ansonsten kann man die Drucksituationen im Schach und Kickern leider nicht so gut vergleichen. Es ist einfach ein anderes Tempo und generell muss man das ganze auch anders abrufen. Im Schach kann man halt nichts mehr zurücknehmen oder wettmachen. Wenn ich einen Bauernzug mache, mit dem ich eine schlechte Struktur für mich festlege, dann hat der Gegner langfristig einen Vorteil davon und kann die ganze Partie bis zum Ende kneten und ich verliere, weil ich die Struktur am Anfang falsch festgelegt habe. Natürlich kann man Glück haben, dass der Gegner das Ganze nicht ausnutzt oder selbst noch einen größeren Fehler macht. Beim Kickern ist es  ab einem gewissen Niveau auch fatal, wenn man z.B. bei einem Pass von der Mittelreihe auf die Stürmerreihe eine dumme Entscheidung getroffen hat und den Ball dann dadurch verliert. Aber es beeinflusst in diesem Sinne nicht die Langfristigkeit. Jeder Ball steht erst mal für sich. Du kannst es wieder wettmachen, in dem du die nächsten Bälle blockst und so weiter. Wenn ich jetzt noch genauer darauf eingehen würde, wäre es kein Interview, sondern eine Geschichte. Deswegen belassen wir das mal dabei. :D


Was gefällt dir am Tischfußball am besten? Und was beim Schach?

Was mir wirklich an beiden Sportarten besonders gefällt, ist den Plan des anderen zu durchschauen.  Das Kickern ist so raffiniert, wenn beide Seiten mit denken. Ich sage nicht, dass es immer gut ist beim Kickern zu denken. Aber ich mag es, wenn man durch die ersten Bälle schon ein bestimmtes Muster oder System sieht und sich natürlich das Ganze zu Nutze macht, dies und jenes ahnt und sich auf dieser Ebene „schlau“ battled. 

Beim Schach ist es genau so. Kennst du den Plan des Gegners, kannst du deinen Plan darauf abstimmen. Verhindern, dass der Gegner sein Repertoire / sein Plan durchsetzt, hilft deinem Spielverständnis enorm und bringt dir selbstverständlich einen Vorteil für den ganzen Spielverlauf.

 

Sturm oder Abwehr, wo fühlst du dich beim Kickern am wohlsten? Und findest du, dass dein Schachstil und dein Tischkickerstil ähnlich sind oder kann man sowas gar nicht vergleichen?

Ich spiele lieber im Sturm. Früher habe ich auch noch recht häufig in der Abwehr gestanden, aber mittlerweile fühlt sich der Platz vorne besser an. Mein Schachtrainer vom Hessenkader hat damals meinen Spielstil u.a. als aggressiv beschrieben. Ich war nicht besonders materialistisch. Opferte gerne auch mal etwas für eine bestimmte (realistische) Initiative, für einen Königsangriff oder einfach für eine geile Stellung mit Potential zum Vorteil. Es ist wirklich schwierig zu vergleichen, vor allem weil ich noch nicht so lange Kicker. Aber eine kleine Ähnlichkeit sehe ich schon, wenn man das aggressive Spiel im Schach positiv auf das Kickern überträgt: Ich bin nämlich eher der Typ am Tisch, der Emotionen zeigt, meinen Partner und mich pushed und wenn ich voll drin bin, schrei ich halt auch mal durch die Gegend. Schachspieler sind wohl eher still während der Partie, aber was ich nicht alles schon während eines Schachspiels über meinen Gegner gedacht habe! :D Aber ja, mein Kickerspielstil ist eher systematisch und ich bleibe auch meistens beim  Systemspiel statt draufzuhauen, wenn etwas nicht klappt. 

Eine ganz bestimmte Ähnlichkeit gibt es aber: Wir sitzen bzw. stehen dem Gegner / den Gegnern gegenüber. Im Schach entgeht uns kaum eine Mimik, ein Geräusch, ein Tick oder das Belächeln eines bestimmten Zuges. So auch beim Kickern und das auf eine verstärkte Ebene, da man auch reden, schreien, lachen und so weiter kann, wenn der Ball nicht im Spiel ist. Und genau das liebe ich sehr am Tischfußball. Man darf sich laut freuen und es gerade heraus schreien. BAM! IN DEIN GESICHT! … Ne, Spaß. So mach ich das nicht, aber gibt’s natürlich auch. :D Emotionen sind für mich fast am spannendsten. Nicht, dass ich das Spiel nicht beobachten oder nicht spannend finden würde, aber die Emotionen oder was man während des Spiels ausdrückt, macht das ganze noch interessanter und gibt ihm eine gewisse Würze.

 

Möchtest du sonst noch etwas sagen?

Wenn ihr dieses Thema noch ausführlicher diskutieren wollt, könnt ihr mich gerne ansprechen! :D Ich finde es sehr unterhaltsam die beiden Sportarten zu vergleichen. Vor allem habe ich auch einige heftige KickerspielerInnen getroffen, die auch Schach spielen oder spielten. Und das auch ziemlich gut!

 

Vielen Dank für das Interview und wir wünschen auch in der Zukunft weiterhin alles Gute fürs Schach, Tischfußball und dein Studium.

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