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Viktor Kortschnoi zu Gast bei der DEM 2005

Viktor Kortschnoi lebt nicht mehr. Eine Nachricht, die um die Welt geht. Viele Nachrufe werden über diese außerordentliche Schachpersönlichkeit geschrieben. Es ist nicht unsere Aufgabe, einen weiteren beizusteuern. Aber erinnern möchten wir an den Gastauftritt von Viktor Kortschnoi auf der Deutschen Jugendmeisterschaft 2005 in Willingen.

Die Initiative dazu ging vom Olms Verlag aus, der brandneu 2 Bücher über das Schachleben von Viktor Kortschnoi auf den Markt gebracht hatte:
Viktor Kortschnoi "Mein Leben für das Schach"
Viktor Kotschnoi "Meine besten Kämpfe"
Der Verlag bezahlte die Reise, der Sauerland Stern den Aufenthalt. Wir als DSJ hatten allein das Vergnügen, diese Schachpersönlichkeit im Alter von 74 Jahren zu Gast zu haben.

Vieles ist über Viktor Kortschnoi geschrieben worden. Seine Art zu kämpfen, sein Drang zum unbedingten Gewinn, seine nicht einfache Persönlichkeit. Zugleich aber war er auch ein großartiger Schachspieler.

Wir erlebten ihn in all seinen Facetten bei der DEM. Er war ein Großmeister zum Anfassen. Er nahm seine Mahlzeiten im gleichen Speisesaal wie die Kinder und Jugendlichen ein und war jederzeit ansprechbar für Fragen, Autogramme, Kontaktaufnahmen.

Er spielte ein Simultan gegen 30 Gegner, für das sich die Kinder und Jugendlichen bewerben mussten. "Warum ich gegen Viktor Kortschnoi spielen möchte", lautete die Frage. Die besten Einsendungen wurden ausgewählt. Der Andrang war groß, viele Zuschauer umsäumten das Quadrat. Und Viktor wollte alle Partien gewinnen. Er zog energisch trotz seines Alters seine Runden und an einigen Brettern verfinsterte sich seine Miene, denn er merkte, dass dort nicht die notwendige Aufmerksamkeit aufgebracht wurde, dass mit Nachbarn getuschelt wurde und sogar Hilfe von außen kam. Während des Simultans konnte man es ihm anmerken, es störte ihn. Die Spieler merkten es aber erst, als die Partien beendet waren. Jeder bekam sein Autogramm auf das Formular geschrieben, einige aber nicht. Da verweigerte Viktor der Schreckliche, wie er auch genannt wurde, seine Unterschrift. Wer ihm keinen Respekt zollt, bekommt auch kein Autogramm. Entsetzen bei den Kindern und Eltern. Für alle gab es eine Erinnerungsurkunde mit Foto von Viktor und seinem Autogramm. Jeder bekam sie. Bis auf diejenigen, die ihm den Respekt nicht gezollt hatten. Keine Überredungskünste reichten aus, ihn umzustimmen. Ich weiß nicht mehr, wie viele es betraf, es waren, denke ich, so um die drei Spieler.

Dann der nächste Auftritt. Viktor Kotschnoi kommentierte live die Partien der DEM an den Spitzenbrettern. Im Büro der Gesamtleitung machte er sich im Internet mit den Partien vertraut und ging dann runter in den prall gefüllten Analyseraum. Am Wochenende erlebte ich gerade den GM Dr. Helmut Pfleger beim Finale Yes2Chess. Er sah, wie er sagte, viel Talent und viele gute Spieler, obgleich es ein Schulschachturnier war. Nicht so Viktor Kortschnoi. Obgleich er die bundesdeutsche Jugendspitze vor sich hatte, sah er nur schlechte Züge und sagte dies auch vor versammeltem Publikum. "Das ist ein schlechter Zug", "das ist planlos", "gegen die Stellung gespielt" und so weiter, und so weiter. Keiner konnte vor den strengen Augen des Meisters bestehen. Und trotzdem war es eine spannende Anaylsestunde. Nur Nettigkeiten konnte man halt nicht erwarten. Er sagte, was sein Großmeisterschachwissen sah und was er von dem Gesehenen hielt.

Auch wenn  es ein anderer Großmeisterbesuch bei der DEM war, als die vielen anderen, die wir in den letzten Jahren erlebten, es war ein unvergessliches Erlebnis für alle, die dabei waren. Es war Viktor Kortschnoi der Echte, der Unverstellte, so wie ihn auch die anderen Meister erlebten in den Turnieren, in denen sie auf ihn trafen. Denn auch da wurde schon so macher GM von Viktor angegiftet, warum er denn nicht aufgäbe, wenn er auf Verlust stehe.

Unser Eindruck war zudem, dass es auch Viktor Kortschnoi Spaß  bereitet hatte, der Besuch bei der Deutschen Schachjugend auf der Deutschen Jugendmeisterschaft 2005 in Willingen.


Jörg Schulz

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