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Ni Hao Deutschland

 „Ich denke, dass wir dort ein bisschen Schach spielen, uns dann das Land angucken werden und ein paar Tage Spaß haben werden. Das wird, denke ich, eine ganz lockere Sache werden.“

 

Dies war das Bild eines deutsch-chinesischen Austauschs, das uns unser damaliger Betreuer Malte Ibs  vor zwei Jahren gab, bevor wir nach China flogen. Total unvorbereitet und keine Ahnung, was uns im Land des Drachen erwarten wird, ließen wir uns auf dieses unglaubliche Abenteuer ein.

Die Erlebnisse verdaut, war es nun knapp zwei Jahre später an der Zeit, die Gastfreundlichkeit „zurückzuzahlen“, indem wir eine chinesische Delegation vom 7.2. - 17.2.2016 nach Deutschland einluden. Als ehemaliger Teilnehmer und äußerst begeisterter Fan dieses Austausches war ich natürlich mit von der Partie, und dies nicht nur hinter den Kulissen.

 Die anfänglichen terminlichen und Visa-bedingten Schwierigkeiten überwunden, empfing ich die Delegation von 7 Spielern und 2 Betreuern mithilfe des immer präsenten Übersetzers und gute-Beziehungen-Knüpfer Cheng am Flughafen in Berlin. Das Wiedersehen war herzlich und schon wurden auch die ersten Fotos gemacht.

 Die anschließende Fahrt nach Hamburg und die ersten Tage dort liefen dank der guten Organisation reibungslos ab. Nach 3 Tagen Besichtigung der Hansestädte Hamburg und Bremen durften unsere hauptsächlich jungen Gäste auch endlich ans Schachbrett, wo sie die erste negative Überraschung erwartete: Der deutsche Modus mit 30 Minuten pro Spieler und Partie. Eine Katastrophe für die chinesischen Denkgenies, denn in China ist 1 Stunde + 10 Sek. pro Zug gewöhnlich. Trotzdem gelang es ihnen, überlegen aus dem Freundschaftskampf hinauszugehen, denn das wichtigste ist immer noch, dass das Margaretha-Rothe-Gymnasium nun freundschaftliche Beziehungen mit dem Schachclub Bengbu pflegt. Gleiches gilt für den Hamburger SK, der am zweiten Spieltag sogar ein Blitzturnier organisierte mit der Zeit: 5 Min. + 3 Sek. pro Zug. Während seine Spieler sich wacker durch die deutschen Talente durchkämpften, suchte Betreuer und Begründer des Schachclubs Bengbu Herr Yu unermüdlich nach Trainingsmaterial.

Doch von Schach hatten unsere Gäste noch immer nicht genug. Als es „Auf Wiedersehen“ für Hamburg hieß, ging es auf dem Weg nach Berlin zuerst nach Lübeck, wo sie auf dem gerade stattfindenden Schulschachturnier gegen den mehrmaligen Landesmeister Ullrich Krause simultan spielen durften. Beide Seiten schlugen sich tapfer, da es fast 2 Siege für die chinesische Seite gab, wobei der 12-jährige Yilin Shen seinen Sieg im Endspiel für ein Remis vergab. Übersetzer Cheng zeigte, dass er genauso gut Schach spielen wie deutsch sprechen kann und holte souverän den Sieg. Das Endergebnis hieß dann 6,5 : 1,5.

 Das Essen  fiel  immer üppig aus und schmeckte den Gästen offensichtlich, wobei man mit der Zeit herausbekam, wer das XXL Steak bekam und wer sich traute, sich den deutschen Luxus einer Cola zu gönnen, denn Cola ist wegen den Schadstoffen für die Zähne in chinesischen Haushalten verpönt.

Genauso wie einem Europäer das Handhaben von Stäbchen Schwierigkeiten bereitet, erfuhren unsere Gäste Probleme mit Gabel und Messer, was zu einigen lustigen Situationen führte.

Die Schachspieler aus Fernost erfuhren auch die deutsche Bäckereikultur, und dies tagtäglich, weil es in Deutschland nunmal Brötchen zum Frühstück gibt.  Genauso schmeckten ihnen Pizza und Schnitzel, doch am vorletzten Tag hielten sie es nicht mehr aus, sodass Cheng ihnen versprach, dass wir chinesisch essen gehen würden  wenn sie gegen das spielerisch starke Käthe-Kollwitz-Gymnasium gut spielen.

 Nach 5 Tagen Hamburg ging es also weiter in die Hauptstadt, wo erst mal alle bekannten Monumente besichtigt wurden und ein weiterer Freundschaftskampf gegen den SC Kreuzberg stattfand. Weiterhin zeigte ihnen Tim Cech, der 2014 auch in China dabei war, Potsdam und Jörg Schulz, der später auch dazugekommen war, zeigte ihnen das Schachdorf Ströbeck. Vom dortigen Museum mit langer Tradition für das Schachspiel schienen unsere Gäste sehr beeindruckt.

Weiter ging es dann neben einigen weiteren Besichtigungen auch zum Käthe-Kollwitz-Gymnasium, wo die Delegation die Wurzeln der Erfolge des deutschen Schulschachs beobachten konnte: Zum Beispiel eine Unterrichtsstunde mit A-Trainer Julian Urban . Der darauffolgende Vergleichskampf war knapp und es ist anzumerken, dass hier wieder die Jugendlichen auf chinesischer Seite gut punkten konnten.

 Doch die zehn Tage neigten sich langsam dem Ende zu und das Endspurt-Shoppen war angesagt. Nun standen z.B das KaDeWe oder Galeria Kaufhof auf dem Programm, wo die allerletzten Souvenirs und die sehr beliebten Schweizer Uhren en masse gekauft wurden. Uns Betreuer beeindruckte vor allem die günstige finanzielle Situation des staatlich geförderten chinesischen Schachclubs, die wir auch vor zwei Jahren in Form von Gastfreundschaft erfahren durften.

 Während des ganzen Besuches fand reger Austausch über nicht nur schachliche, sondern vor allem auch interkulturelle Aspekte statt. Außerdem hatte ich die Chance, mich mit der sehr schwierigen chinesischen Sprache etwas vertraut zu machen, so wie wir unseren Gästen einige deutsche Wörter beibringen konnten.

Abschließend möchte ich festhalten, dass die In-Maßnahme des Austausches ein totaler Erfolg war, sowohl schachlich als auch interkulturell. Ich freue mich schon auf die nächsten Austauschmaßnahmen mit dem Schachclub Bengbu und hoffe auf weitere Entwicklungen im Bereich Schulaustausch dank der neu geknüpften Kontakte, über die nun einige deutsche Schulen verfügen.

 

Vielen Dank für die vielen neuen Erfahrungen und auf ein baldiges Wiedersehen

 Nicolas Lagassé

 

 

 

 

 

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