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Japaner auf Kanutour in Norderstedt

Wer ist Tom?

Es sind nur noch zwei Wochen bis zum Beginn des Regionalprogrammes in Norderstedt und doch regnet es, tagein, tagaus. Schließlich ist er da: der Tag der Ankunft unserer japanischen Gäste in unserer kleinen Stadt nahe Hamburg und mit ihnen zeigte sich auch plötzlich das Wetter von seiner besten Seite. Gemeinsam genießen wir ein tolles Programm bei 30°C. Nach 6 Tagen heißt es auch schon wieder Abschied nehmen – und wen wundert es? – der Regen setzt wieder ein. Immerhin verlassen sie uns so in dem Glauben, in Norddeutschland würde immerzu die Sonne scheinen.

Kanutour auf der Alster

Nachdem in den ersten beiden Tagen Hamburg und das Freilichtmuseum Molfsee bei Kiel von unseren Gästen als ein sehr interessantes Kontrastprogramm aufgenommen worden war, wollten wir uns am Mittwoch Hamburg von der Wasserseite aus anschauen. Die Alster fließt von den äußeren Randbezirken Hamburgs bis in das Herz der Stadt. Da der Fluss zusätzlich noch durch Kanäle mit dem See im Hamburger Stadtpark verbunden ist, lud er uns natürlich umso mehr zu einer ausgiebigen Kanutour durch ein.

Allerdings trat bereits am Treffpunkt die erste Schwierigkeit auf. Ausgerechnet heute fuhr die U-Bahn aufgrund eines Stellwerkfehlers nicht. Für unsere Gäste, die sonst absolute Pünktlichkeit von ihren Zügen in Japan gewohnt sind, ein ungewohntes Erlebnis. Glücklicherweise konnten wir binnen weniger Minuten genügend Autos organisieren, die den reibungslosen Transport zum Einsetzpunkt gewährleisteten – Problem erkannt, Problem gebannt. Der Anhänger mit unseren Kanus kam nahezu zeitgleich an, sodass sich nach dem Abladen der Boote und einer kurzen Sicherheitseinweisung die Gruppe gut gerüstet ins Wasser stürzen konnte. Um es schon einmal vorweg zu nehmen: Es funktionierte alles wie geplant und mein Boot sollte am Ende des Tages auch das einzige sein, das kenterte.

Herrschte zu Beginn noch ab und an Uneinigkeit darüber, wie denn nun ein Kanu zu lenken sei, so lichteten sich die Probleme mit jedem Kilometer. Einzig das Problem mit dem Linksverkehr auf dem Wasser – wir wissen immer noch nicht, ob japanisches Heimatgefühl oder die oben genannte Uneinigkeit die Ursache war – ließ sich nicht vollständig beheben. Schnell entwickelten sich auch die üblichen Spiele wie Kanu-Tandem oder ein Bootswechsel auf dem Wasser. Ein besonderes Kurs schlugen Takumi und Naoya ein, die, kaum sie das linke Ufer erreicht hatten, scharf drehten und auf das rechte Ufer zusteuerten, ehe ein spontaner Kurswechsel doch wieder zum linken Ufer führte – Und die Alster ist mit einer Breite von bis zu 30 Metern nicht schmal. Hierbei zeigte sich jedoch auch die außergewöhnliche Kondition der beiden, die bei einer Tourlänge von ca. 10 km bestimmt 20 km zurücklegten, ohne jemals zurückzufallen.

Nach einem Abstecher über die Außenalster mit wundervollem Blick auf die Hamburger Innenstadt gingen wir im Stadtparksee an Land, wo bereits ein riesiges von den Gasteltern vorbereitetes Picknick auf uns wartete. Hatten auf der Hälfte der Strecke bereits einige über Hunger geklagt, so schmeckte das Essen nun allen umso besser.

Frisch gestärkt ging es im Anschluss gleich weiter mit Fußball, Schwimmen und eben dem besagten Kanukentern. Wer auch immer auf die Idee gekommen war, aus dem fahrenden Kanu ins Wasser zu springen, der hatte nicht bedacht, dass Takuma, Naoya und Julius im Kanu sitzend dem Rückstoß nichts entgegenzusetzen hatten und sich somit ebenfalls mit ins Wasser verabschiedeten – zum Spaße aller Beobachter und dem Lachen nach zu urteilen auch der Beteiligten. Abgerundet wurde der Tag mit der Diskussion zum Fairplay, dem Jahresthema der dsj. Abgekühlt und erfrischt setzen sich die japanischen und deutschen Jugendlichen zusammen, um darüber zu diskutieren. Dabei wurden interessante Gemeinsamkeiten und Unterschiede festgestellt, beispielsweise beim Sport oder im Schulalltag. Nach einem anstrengenden und für einige von uns durchaus nassen Tag, endete unser gemeinsamer Ausflug so gemütlich im Schatten einer alten Eiche auf der Stadtparkwiese.

Julian Schwarzat

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