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| Akademie

DSJ-Akademie 2010 - ein Teilnehmerbericht

Moin moin,

 

mein Name ist Stefan Patzer und ich bin Jugendwart in einem kleinen Verein in Schleswig-Holstein.

Ich möchte euch gerne meine Eindrücke der diesjährigen DSJ Akademie kurz zusammenfassen.

 

Vorweg möchte ich erwähnen, dass es die erste Akademie war, an der ich teilgenommen habe.

In diesem Jahr fand die Akademie in Rotenburg an der Fulda vom 25.-27. Juni statt. Tagungsort war die BKK-Akademie, in der wir auch übernachtet haben. Die Akademie ist gleichzeitig ein 3-Sterne-Hotel, was man am Essen, den Zimmern und dem gesamten Service bestätigt bekam.

Das hessische Rotenburg an der Fulda liegt in Deutschland sehr zentral, so dass wir selbst aus Schleswig-Holstein in vier Stunden mit dem Auto angereist waren.

 

Nun zum Programm der DSJ Akademie. Am Freitagabend wurden alle begrüßt und es gab noch eine allgemeine Diskussionsrunde zum Thema „Neue Zielgruppen“.

Dabei ging es darum, welche Zielgruppen in Zukunft für das Schachspiel interessant werden könnten. Die Runde wurde von Michael Klein, dem 2. Vorsitzenden der DSJ, moderiert. Der 1. Vorsitzende der DSJ, Christian Warneke, begann mit Jörg Schulz, dem Geschäftsführer der DSJ, einen leicht ironischen Meinungsaustausch zum o.g. Thema, wobei Jörg Schulz hierbei die Rolle des „Bösen“ eingenommen hatte. Aus diesem Dialog ergab sich eine Diskussion, an der sich viele Teilnehmer beteiligten. Als Ergebnis der Diskussionsrunde kann man festhalten, dass es zwei bis drei neue Zielgruppen geben könnte. Als erstes sind dort die Kinder/Jugendlichen mit einem Migrationshintergrund, auf die man gesondert zugehen könnte. Die zweite mögliche Zielgruppe sind die Senioren. Durch den heutigen medizinischen Stand werden die Menschen immer älter, sodass diese Gruppe immer größer werden wird. Eine große Anzahl an potentiellen Schachspielern stellen ebenso die berufstätigen Eltern da, die früher evtl. sogar selbst als Jugendliche Schach gespielt haben.

 

Aus der Diskussion heraus ergaben sich noch einige wichtige Punkte:

1. Wenn man Jugendliche wirbt, sollte auch ein entsprechendes Angebot für die Jugendlichen vorhanden sein (Helfer, Material, Räumlichkeiten).

2. Wenn man auf Jugendliche/Kinder setzen möchte, muss man weg vom Image des „Kneipen-Vereins“. Eltern und Jugendliche sind vom Ambiente und den Preisen dort möglicherweise abgeschreckt.

3. Jugend- oder Vereinsfahrten stärken das Gemeinschaftsgefühl und locken neue Mitglieder

 

Am Samstag und Sonntag wurden in vier Blöcken 16 unterschiedliche Seminare angeboten. Man hatte also die Möglichkeit pro Block aus einem von vier Seminaren zu wählen. Zusammen mit dem Anmeldeformular konnte man bereits eine Seminar-Wunschliste ausfüllen, sodass jeder die Seminare hören konnte, die für sich bzw. seinen Verein am wichtigsten sind. Die Seminare dauerten alle 2,5 bis 3 Stunden.

 

Die Seminare, die ich mir angehört habe, waren „Chessbase für Fortgeschrittene“, „Spiele für Große Gruppen“, „Online Training“ sowie „Rettet den Vereinsabend“.

 

Das Seminar „Chessbase für Fortgeschrittene“ wurde von IM Michael Richter gehalten. Am Anfang sollte sich jeder vorstellen, seine Chessbase-Erfahrungen schildern und kurz seine Erwartungen an dieses Seminar mitteilen, damit sich Michael Richter auf die Teilnehmer einstellen konnte. Leider waren in dem Seminar auch einige, die doch nie mit Chessbase gearbeitet hatten, sodass das Seminar einige Male in seinem Fluss darunter litt. Michael Richter reagierte aber stets freundlich und hilfsbereit. Für mich hat sich das Seminar auf jeden Fall gelohnt, da ich gelernt habe, wie man sich Trainingsunterlagen erstellen kann und gezielt nach taktischen Stellungen, Manövern,…usw. suchen kann.

 

Mein zweites Seminar, Spiele für Großgruppen, wurde von Kevin Ewe und Holger Lutzka gehalten. In den 2,5 Stunden haben Sie uns verschiedene Spiele vorgestellt. Unterteilt wurden die Spiele in Kennlernspiele, Bewegungsspiele und taktische Großgruppenspiele. Einige Spiele durften wir in unserer Gruppe selbst ausprobieren, so dass keine Langeweile aufkam. Für mich persönlich konnte ich mehrere Ideen aufgreifen, wie ich bei einigen Aktionen außerschachliche Spiele gestalten könnte.

 

Das dritte Seminar, das ich besuchte, war „Online Training“ mit Michael Richter. Er stellte vor, wie man ein Online-Training mit Chessbase durchführen kann und schilderte uns seine Erfahrungen und gab uns eine kurze Kostprobe davon, wie sein Online Training aussieht. Leider wurde am Ende recht lange darüber diskutiert, weshalb man denn Chessbase für ein Online-Training brauchen würde. Ich glaube, dadurch ging einiges an Zeit verloren, die man besser hätte nutzen können. Dieses Seminar war für mich persönlich nicht ganz so informativ wie das „Chessbase für Fortgeschrittene“ - Seminar, jedoch war Michael Richter für alle Fragen offen und beantwortete diese immer sehr kompetent.

 

Das vierte Seminar, welches am Sonntag stattfand, war „Rettet den Vereinsabend“. Caissa Klug hielt dieses Seminar. Es war das Seminar, wovon sich mein Verein am meisten erhoffte, da unser Vereinsabend zurzeit sehr leblos und langweilig ist. Aber in erster Linie fehlen hauptsächlich die Vereinsmitglieder, die den Vereinsabend beleben würden. Mir und den meisten Seminarteilnehmern war klar, dass wir bei diesem Seminar keinen Masterplan dafür bekommen würden, wie man einen Vereinsabend zu gestalten hat, sodass man auf einen Schlag einen perfekten Vereinsabend mit sehr vielen Leuten bei sich in den Verein zaubern könnte. Von daher nahmen es alle positiv auf, eine Art Diskussionsrunde bzw. einen Erfahrungsaustausch durchzuführen. Da es der Punkt ist, der meinem Verein und mich am meisten interessierte, habe ich hierzu auch am meisten Notizen gemacht, die hoffentlich auch für alle Leser dieses Feedbacks nützlich sind.

 

Als erstes wurden die Ziele des Vereinsabends gesammelt:

- Stärke- bzw. altersübergreifend

- Seele des Vereins

- Gemeinschaft

- Vereinend

- Spaß

- Treffpunkt

- Schachspielen

- Training

- Events (Turniere oder außerschachliche Aktivitäten wie Skat, Tischfußball, grillen etc)

Probleme:

- Kommunikation (Absprachen/ Bekanntmachungen für Turniere)

- Vereinsheim / Spiellokal *

- Helfer / Organisation

*Es ist stark davon abhängig, ob der Verein ein eigenes Vereinsheim hat, in einer öffentlichen Einrichtung oder in einer Gaststätte ansässig ist.

 

In einem eigenen Vereinsheim ist man nicht an Öffnungszeiten gebunden und verfügt meistens über mehrere getrennte Räume, so dass man verschiedene Angebote gleichzeitig anbieten kann. Des Weiteren kann man an einem Tag der Woche z.B. einen außerschachlichen Spieleabend oder Ähnliches anbieten. In einer öffentlichen Einrichtung ist man teilweise an Öffnungszeiten gebunden. Der Getränkeverzehr ist nicht verpflichtend und eigene Getränke können mitgebracht werden. In einer Gaststätte hat man oft Öffnungszeiten-gebundene Bedingungen. Oft stehen auch nicht mehrere Räume zur Verfügung, um z.B. in einem Raum Schach zu spielen und im anderen zu kickern oder etwas anderes zu spielen. Anschließend wurden Gruppen gebildet, um einen Monat mit Vereinsabenden zu planen. Die Gruppen wurden so aufgeteilt, dass alle, die ein eigenes Vereinsheim haben, in eine Gruppe kamen, die, die in einer Gaststätte spielen, in einer Gruppe waren usw. In unserer Gruppe gab es einen regen Erfahrungsaustausch, wodurch ich einige Ideen für meinen Verein aufgreifen konnte. Dass wir dabei nicht mehr zur Bearbeitung unserer eigentlichen Aufgabe kamen, war uns dabei gar nicht so wichtig.

 

Hier die Punkte, die ich mir während des Gruppengesprächs notiert habe:

· Blitzschach-Turnier mit 2er Mannschaften bei denen der Jüngste mit dem Ältesten spielt oder der Schwächste mit dem Stärksten. So kann man das Gemeinschaftsgefühl stärken.

· Regelmäßige Termine; z.B. jeden ersten Freitag im Monat ein Blitzturnier o.ä.; die Regelmäßigkeit lässt die Mitglieder solche Termine nicht vergessen.

· Weihnachtsfeier; sollte es jedes Jahr geben… stärkt einfach das Gemeinschaftsgefühl

· Grillabende; siehe Weihnachtsfeier

· Zu viele regelmäßige Turniere schrecken neue Mitglieder ab sowie Mitglieder, die nicht an den regelmäßigen Turnieren teilnehmen können und einfach mal Schach spielen wollen, da sie dann keine Gegner haben.

· Vergleichskampf Jugend / Erwachsene; dafür benötigt man aber genügend Mitglieder

· Schach für Eltern; Eltern von Jugendlichen und Kindern können oft selbst kein Schach spielen. Man könnte Ihnen ein „Schach für Eltern“ Tag anbieten, wo sie die Grundregeln lernen könnten und sich untereinander kennen lernen könnten. Junge Eltern sind übrigens die Zielgruppe, die das häufige Altersloch von 25 bis 40 Jahren stopfen könnten.

· Trainingstermine; Training, das von den Mitgliedern für die Mitglieder gemacht wird. Wer möchte kann an einem Abend über ein bestimmtes Thema unterrichten (Bauernendspiele, usw.)

· „Schach Pur“; man könnte einen Abend anbieten, unter dem Motto „Schach Pur“. An diesem Abend sollen sich die Mitglieder irgendwie schachlich beschäftigen, egal ob spielen, Rätsel lösen oder was auch immer. Ein zu sehr durchgeplanter Kalender oder Vereinsabend lässt keine lockere Stimmung aufkommen.

· 1 x im Monat etwas außerschachliches anbieten, wie z.B. einen Spieleabend, Skatabend,…

 

Zusammenfassend denke ich, dass jeder Seminarteilnehmer für seinen Verein etwas mitnehmen konnte. Mit hat es auf jeden Fall viel Spaß gemacht zu hören, was in den anderen Vereinen alles angeboten wird.

 

Mein Fazit zur DSJ Akademie:

Natürlich bin ich zur DSJ Akademie gefahren, um viele neue Dinge für mich und meinen Verein zu lernen, aber ich habe mich selbstverständlich auch darauf gefreut, viele bekannte Gesichter wieder zu sehen. Die Stimmung war allgemein sehr locker und freundschaftlich, so dass man abends immer eine größere Gruppe von Mitgliedern fand, die sich noch zu einem geselligen Abend zusammenfand.

 

Inhaltlich waren alles Seminare sehr gut organisiert und strukturiert, sodass ich mich an dieser Stelle bei der DSJ recht herzlich dafür bedanken möchte, dass sie sich so viel Mühe gemacht haben.

Im nächsten Jahr bin ich gerne wieder mit dabei!

 

Schachliche Grüße aus dem hohen Norden

Stefan Patzer

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