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19.05.2016 | DEM 2016, Goldener Chesso, Startseite

Ludwig Stern - Porträt des Jugendleiters 2015


An dieser Stelle möchten wir euch den Gewinner in der Kategorie "Jugendleiter" beim Wettbewerb Goldener Chesso, Ludwig Stern (78) von KJS Potsdam vorstellen. Die DSJ findet ein echtes Vorbild für andere Engagierte und wir freuen uns, dass es solche Menschen gibt, denn Sie sind für unseren Sport von entscheidender Bedeutung. Da wir uns nicht auf große Worte verstehen, möchten wir hier einfach DANKE sagen. Die "großen Worte" der Laudation gibt es als Film bei ChessyTV bei Youtube.

Hier nun aber trotzdem einige Details seiner Vita und danken der Schachfreundin Heike Schmädicke für die Bewerbung:

Herr Stern ist 78 Jahre alt. Seit fast 60 Jahre arbeitet er ehrenamtlich mit Kindem und Jugendlichen. Mit 19 Jahren betreute er eine Gruppe Geräteturnerinnen und SkiAbfahrtsläufefinnen und da er Spaß dabei hatte, konnte er danach bei jedem Wohnungswechsel schnell überzeugt werden, Sportgruppen zu übernehmen. Entsprechend den örtlichen Gegebenheiten waren es Hallenhandball-, Fußball-, Schwimmen- oder Gruppen von Geräteturnen.
Nach 20 Jahren etwas ruhiger geworden, leitete er dann zwanzig Jahre lang eine Kinderwandergruppe und den Jugendaustausch mit Belarus.
Nach 1990 wurde er im Rahmen einer ABM-Maßnahme dem bekannten Schachtrainer Potsdams, Eugen Pinno zugeteilt, um in den AG Schach der Schulen den Anfängern die Grundbegriffe des Schachspiels zu vermitteln. Als er es lange genug getan hatte, ihm die Grundbegriffe geläufig waren und er die Aufgaben "Matt in einem Zug" zu lösen verstand, wurde er auf Weiterbildungslehrgänge geschickt, wo er die C-Lizenz für Übungsleiter und die Schiedsrichter-Lizenz erwarb.
Als Sportfreund Pinno unerwartet verstarb, war Ludwig Stern plötzlich Vorsitzender des SV KJS Potsdam und musste an 5 Schulen die AG Schach, an der Schule 24 den Schachunterricht in zwei Klassen und den Schachclub der Kita "Pfiffikus" übernehmen, weil alle anderen Erwachsenen den Verein verließen, um weiter am Spielbetrieb teilnehmen zu können.
Ludwig Stern hat keine hohe DWZ. Seine Devise lautet: "Ausbildung ist die Kunst, durch Langsamkeit schneller voran zu kommen!" und "Den Kindern soll das Schach spielen Spaß machen!" Da es seinen Schützlingen wirklich Spaß macht, haben sie trotzdem entsprechende Erfolge. Ludwig Stern behindert die Kinder nicht in ihrer Entwicklung. Wenn er ein Talent entdeckt und
gefördert hat, vermittelt er es an Vereine mit qualifizierteren Trainern, sobald er glaubt, es entsprechend seinen Fähigkeiten ausgebildet zu haben. Wenn diese Talente schon lange in anderen Vereinen sind, kommen sie manchmal vor wichtigen Wettkämpfen, um sich beraten zu lassen. Ludwig Stern tut es, selbst dann, wenn diese danach gegen seine eigenen Schützlinge spielen. Auf Vorwürfe reagiert er mit dem Satz: "Sie waren, sind und bleiben 'meine' Kinder".
Als die Schule 24 sich z.B. 2008 für die Schacholympiade in Dresden qualifiziert hatte, verstand er es, einen guten Trainer dazu zu bewegen die Mannschaft so vorzubereiten, dass sie in Dresden nur gegen die Mannschaft Russlands, den späteren Sieger, verlor und den 10. Platz unter 60 Mannschaften belegte. Ludwig Stern ist erfolgreich bemüht Kinder-und Jugendschach in der Öffentlichkeit zu propagieren.
Dazu wird auch die örtliche Presse und das Stadtfernsehen genutzt. Beim deutschlandweiten Leserwettbewerb einer Tageszeitung gewann ein Schützling von ihm, mit seiner Hilfe, den ersten Preis und konnte sich damit die Teilnahme an der Deutschen Meisterschaft in Willingen finanzieren.
Ein 3. Platz und ein Originalitätspreis beim "Tag des Schachs", ständige Betreuung von Kinder-, Schul-, Parteien-, Wohngebietsfesten, die Beteiligung am Weihnachtsquiz der Zeitung "Jugendschach", Schulmeisterschaften mit sehr hoher Spielerzahl und die Beteiligung an Yes2chess mit mehreren Schulen Potsdams sind Beispiele seiner Aktivitäten. Um sicherzustellen dass alle seine Schulmannschaften an der Landesmeisterschaft teilnehmen können, war er einmal sogar gezwungen einen großen Bus zu mieten.
2016 waren es fünf Mannschaften, wobei die Mannschaft der Schule 27 WK M den vierten und die WK IV den sechsten Platz erreichte.

  • 60 Jahre ehrenamtliche Arbeit mit Kinder und Jugendlichen,
  • 20 Jahre Tätigkeit als AG-Leiter an 4-5 Schulen,
  • 10 Jahre wöchentlichen Schachunterricht in zwei 2. Klassen der Eisenhart-Schule Potsdam (Aufwandsentschädigung: eine Schachtel Pralinen und ein freundliches Lächeln der Direktorin am Ende des Schuljahres)
  • 12 Jahre Leitung eines Schachclubs in einer Kita, davon 10 Jahre ohne Aufwandsentschädigung (z. Zt. sind es zwei Kitas)
  • etwa 1000 Kinder, die bei ihm lernten, wie man Schach spielt und
  • 10 Jahre Leitung von Auslandsfahrten zu Schachwettkämpfen mit Trainingslager,
  • Er handelt nach dem Prinzip: ,,Immer vom Positiven ausgehen" und fordert die anwesenden Eltern aufgeweckter, lebhafter Kinder entweder "Ruhe auszustrahlen" oder den Raum zu verlassen, statt ihre Kinder ständig zu disziplinieren.
  • Beschützt "seine Kinder" vor zu ehrgeizigen Eltern, (auch ich musste erfahren, dass er dabei ernsthafte Auseinandersetzungen und Verstimmungen nicht scheut).
  • Er versteht es besonders die ganz kleinen Kinder (5-6 Jahre) auf die Wettkämpfe einzustimmen und verschafft ihnen auch kleine Vorteile gegenüber den Gegnern. (z.B. erhöhte Sitze)
  • Hat alle Kitas und Schulen in denen er tätig ist, mit Schachmaterial, Schach-CDs und Demobrettern ausgestattet. Versorgt besonders Migrantenkinder der Kitas mit abgeschriebenen Schachfiguren.
  • Wegen seines hohen Alters versucht er seine Funktionen weiterzugeben und Nachwuchs zu qualifizieren. Es nützt ihm aber wenig, wenn der Qualifizierte dann nach Tadschikistan geht, um dort Schachunterricht zu geben. (Adrian Ptak) Seine Aufrufe über die Presse und das Potsdamer Stadtfernsehen blieben ohne Reaktion. Scheinbar gibt es wenige Menschen, die willig und in der Lage sind, wenigstens einen Teil seiner Arbeit zu übernehmen.
  • Die große Anzahl der Kinder im KJS (-50) schreckt die anderen Vereine in Potsdam ab, diese zu übernehmen.
  • Wegen des großen Altersunterschieds seiner Schützlinge wird an zwei Tagen der Woche trainiert, die Kinder kommen und gehen, wann sie können, lösen in Gruppen Aufgaben nach der "Methode von Paul Gaffron" und helfen sich gegenseitig.
  • Frontalunterricht dauert bei ihm immer nur wenige Minuten. In den Kitas gibt es fast kein Frontalunterricht, sondern wegen des großen Zulaufs 'Schichtbetrieb '.
  • Die Kinder dort kennen nach kurzer Zeit die Buchstaben von A bis H und diejenigen, die an Turnieren mit Schreibpflicht teilnehmen, können ihre Partien mitschreiben, noch bevor sie in die Schule gehen.
  • Eine Besonderheit von Ludwig Stern ist, dass er fast nie gegen Kinder gewinnt, selbst bei Turnieren. (Czech Open) nicht. Er will "zukünftige Weltmeister nicht schon frühzeitig entmutigen".
  • Er ist davon überzeugt, dass seine Autorität dabei nicht leidet, auch deshalb nicht, weil er ihnen beim TT, Fußball, in anderen Sportarten und z.B. beim Handstand überlegen ist. Er genießt es, wenn die Kita-Kinder im Laufschritt in den Spielraum eilen, um als erste gegen ihn spielen zu können. Er versucht auch, seine guten Spieler zu bewegen, Anfänger nicht zu entmutigen.
  • Für Ludwig Stern existiert keine Zeitbegrenzung. Wenn nötig dauert das Training über 4 Stunden.
  • Er ist immer für die Kinder da. Vor Regional-, Landes-, und Deutschen Meisterschaften können die Kinder bei ihm in den Ferien auch täglich trainieren. (und es gibt welche, die es tun!)
  • Meinen Kindern ist er nicht nur der beste Schachtrainer (sie haben das ganze Regal voll Pokale und haben sich schon zweimal zur Landesmeisterschaft qualifiziert), sondern auch der beste "Opa" ...
  • Manche Lebensweisheiten verdanken sie ihm. z.B.: dass man die Sprache des Gastlandes lernen sollte, bevor man in den Urlaub flieht, wie man sich im Gelände orientiert und was man bei längeren Wanderungen zu beachten hat. Saltos auf dem Trampolin und vom 3 Meter Brett, Tischtennisspielen, den morgendlichen Handstand und vieles mehr hat er ihnen beigebracht.
  • Im Trainingslager bringt er die Kleinen am Abend locker zur Ruh, bei Märchen, Balladen und Sagen fallen ihnen die Augen von selber problemlos zu. Deswegen sind meine beiden Kinder überzeugt: „Opa" Stern ist, nach der "Kanalratte Fritz", der netteste Trainer des Universums.
  • Sie waren sogar schon bereit, in den Ferien, 'vor Sonnenaufgang', das Bett zu verlassen, um ihm vor 09.00 Uhr in der Kita zu helfen.

Heike Schmädicke

 

 

 

 


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