Deutsche Schachjugend
im Deutschen Schachbund e. V.


Triumph einer großen Schachnation: Ungarn siegt in Vaterstetten

Die Aktion „Partnerschulen der Schacholympiade“ der Deutschen Schachjugend stößt auf viel Begeisterung - Erfolgreicher Auftakt der Regionalturniere in Vaterstetten

 

Dass die Ungarn ganz vorne mitspielen würden, das war zu erwarten. Das Heimatland der berühmten Polgar-Schwestern hat schließlich schon mehrfach die Schacholympiade für sich entscheiden können. Aber Peru direkt dahinter, nur durch die zweite Feinwertung vom Spitzenplatz verdrängt? Und Jamaika auf Rang drei? Ein ungewöhnlicher Ausgang für ein Schachturnier…

 

Den zwei Mädchen und fünf Jungs von der Michael-Poeschke-Grundschule in Erlangen ist das egal. Stolz halten sie die ungarische Nationalflagge zum Siegerfoto in die Höhe. Die Schule aus Bayern ist eine von 187 „Partnerschulen der Schacholympiade 2008“ in Deutschland. Der Schirmherr der Aktion und ehemalige Weltmeister Wladimir Kramnik hatte im vergangenen Jahr jeder dieser Schulen ein Partnerland zugelost. Und nun treten die Schulen in fünf Regionalturnieren für „ihr“ Land an. Die besten Teams jedes Turniers qualifizieren sich für das große Finale, das im November während der Schacholympiade in Dresden stattfindet.

Strahlende Sieger: Ungarn gewinnt das erste Turnier der Partnerschulen in Vaterstetten.
Unten: Die Ungarn mit Halstüchern in den Nationalfarben, die Engländer mit Wimpeln an den Bretter.

 

„Dabei sein ist alles“

 

Zum ersten Regionalturnier Mitte April kommen 21 Schulen nach Vaterstetten, einem Vorort von München. Ein wirklich internationales Treffen. Viele Kinder tragen Trikots mit der Nationalfahne auf der Brust, manche auch Mützen oder Halstücher in den Nationalfarben. Andere Teams haben sogar eine große Flagge dabei, die sie vor jeder Runde im Turniersaal schwenken. Ein rotes Kreuz, blau eingerahmt, vor weißem Hintergrund… Norwegen? England? Nein, es sind die Färöer-Inseln. Auch wenn die Inselgruppe zu Europa gehört, zählt sie sicherlich zu den „Exoten“ bei diesem Turnier. So wie Jamaika, Surinam, Sierra Leone und viele andere.

Europäischer Wettkampf: Polen gegen die Färöer-Inseln.
Mitte: England gegen die Bahamas
Unten:

 

Bei der kleinen Eröffnungsfeier geht es schon ein wenig „olympisch“ zu. Alle Teilnehmer sprechen gemeinsam einen „Olympischen Eid der Partnerschulen“, in dem sie sich zu Fairness und Achtung vor dem Gegner verpflichten. Als Ehrengast eröffnet Großmeister Stefan Kindermann von der Münchner Schachakademie das Turnier - und gibt den Kindern dabei eine ganz wichtige Botschaft mit auf den Weg. „Ich möchte Euch dazu gratulieren, dass Ihr Schachspieler seid!“, ruft der Großmeister in die verblüfften Gesichter von Kindern und Erwachsenen. Es ist ein Satz, den Kindermann in seiner eigenen Schachkarriere immer vermisst hat, wie der mehrfache Olympia-Teilnehmer sagt. „Denn richtige Schachspieler sind klug. Sie sind stark und mutig, weil sie alleine Entscheidungen treffen und dafür Verantwortung übernehmen. Und sie sind fair. Ihr könnt stolz darauf sein, Schachspieler zu sein!“ Großer Applaus und leuchtende Kinderaugen zeigen: Die Botschaft des Großmeisters hat ihr Ziel erreicht.

GM Stefan Kindermann stimmte die Kinder auf das Turnier ein: „Ihr könnt stolz darauf sein, dass Ihr Schachspieler seid!“

Hoher Besuch aus Peru

 

Von dem Land, dessen Fahne Vincent auf seinem T-Shirt trägt, kann der Junge zwar nicht viel erzählen. Aber gefallen tut die Flagge ihm trotzdem, denn die Amerikanischen Jungferninseln haben einen Adler im Wappen. Und Adler, so sagt Vincent aus der vierten Klasse, die mag er. Das Turnier ist sein erstes, er spielt noch nicht so lange Schach: „Es ist mir egal, dass ich eben verloren habe. Es macht mir trotzdem großen Spaß.“ Auch für das Partnerschulturnier in Vaterstetten gilt eben der olympische Grundsatz „Dabei sein ist alles!“

Vincent, 4. Klasse, gefällt der Adler im Wappen der Amerikanischen Jungferninseln besonders.

 

Viele der Grundschulkinder kannten die Länder, für die sie antreten, bisher nicht - aber lernen sie durch die Partnerschulaktion nun kennen. Denn die teilnehmenden Schulen starten nicht nur bei den Regionalturnieren für ihr Land. Sie haben auch die Aufgabe, sich im Unterricht mit ihrem Partnerland zu beschäftigen. Die besten Aktionen werden mit Freiplätzen beim großen Finalturnier in Dresden belohnt.

 

„Zu unserem Aktionstag an der Schule kam sogar der peruanische Generalkonsul“, erzählt zum Beispiel Martina Berg-Weber von der Abt-Utto-Grundschule im bayerischen Metten. „Die ganze Schule hat mitgezogen. Die Eltern bereiteten ein Buffet mit peruanischen Spezialitäten vor, die Lehrer gestalteten Unterrichtsstunden zum Partnerland Peru und jede Klasse hat einen eigenen Beitrag zum Fest geleistet: eine ‚Inka-Reise‘, peruanische Märchen oder eine Ausstellung zur Tier- und Pflanzenwelt. Der Konsul war total erstaunt, dass unsere Schüler soviel über sein Heimatland wussten.“ Und vielleicht ergibt sich aus dem großen Fest sogar ein langfristiger Kontakt. Denn der Konsul war so begeistert, dass er gleich versprach, sich in Peru nach einer Partnerschule für die Abt-Utto-Schule umzusehen.

 

Auf den Austausch mit einer Partnerschule arbeitet auch Gerti Neuburger hin. Sie betreut den gemeinsamen Auftritt der LingoStar-Sprachschule mit der Schachgemeinschaft Sailauf zum Partnerland Estland. „Der Schachgroßmeister Paul Keres ist in Estland ein echter Nationalheld. Der ist dort sogar auf einem Geldschein abgedruckt. Das ist natürlich ein toller Aufhänger für den Unterricht, um die Kinder für das Land zu interessieren“, berichtet sie. Für die Eröffnung des Partnerschulenturniers in Vaterstetten haben die acht Kinder und drei Betreuer sogar extra die estnische Nationalhymne eingeübt. Aber ein Stau in München verzögerte die Ankunft und so klappt’s diesmal doch nicht mit dem Vorsingen. Die Jungs grinsen verschmitzt. Sie finden das offensichtlich nicht so schlimm.

Gerti Neuburger und Lukas vor der Stellwand zum Partnerland Estland.
Mitte: Ein eingespieltes Team: Estland erreichte den fünften Platz und qualifizierte sich so direkt für das Finale in Dresden.
Unten: Stellwand der Volksschule Oberndorf zum Partnerland Bahamas.

 

Zur Fortsetzung des Artikels...

 

Deutsche Schachjugend im Deutschen Schachbund e. V.
Die Deutsche Schachjugend ist Mitglied der Deutschen Sportjugend.