Im Mittelpunkt stand das Thema Mitgliedergewinnung. Christian Warneke führte in das Thema ein und zeigte auf, vor welchen Herausforderungen der organisierte Sport und damit auch wir Schachspieler stehen. Er sprach die Herausforderungen durch den vielschichtigen demographischen Wandel an, die Herausforderungen der Veränderungen im Schulwesen (Ganztagsschule, Abitur nach 12 Jahren), aber auch die Herausforderungen, vor die uns die Mitglieder stellen, in dem sich ihr Verhältnis zu den Vereinen verändert hat, das Kosten/Nutzen-Denken spielt eine sehr viel stärkere Rolle als früher, die Vereinsbindung nimmt ab. Aus diesen Herausforderungen heraus müssen wir unsere strategischen Aufgaben entwickeln. Dies sind vor allem: gezielte Öffnung für neue Zielgruppen, Stärkung des Ehrenamtes, Stärkung des Vereins, Steigerung des Erlebniswertes des Schachsportes. Aber wie stellen wir uns diesen strategischen Aufgaben? Indem wir auf vielfältigen Themenfeldern aktiv werden:
- Mehr Mädchen und Frauen = Mehr Mitglieder
- Schach in der (die) Schule = Mehr Mitglieder
- Mehr Ehrenamtliche = Mehr Mitglieder
- Neue Zielgruppen = Mehr Mitglieder
- Spannende Schachevents = Mehr Mitglieder
- Starke Vereine = Mehr Mitglieder
In Arbeitsgruppen wurden die Themenfelder bearbeitet und die Ergebnisse zur Diskussion gestellt. Das Themenfeld „Mehr Ehrenamtliche = Mehr Mitglieder“ wurde, da sie ja die Zukunft des Ehrenamtes sind, von einer Gruppe von Jugendsprechern bearbeitet. Insgesamt wurden viele neue Ideen entwickelt, die nun Eingang in die Strukturen finden müssen.
Das Freiwillige soziale Jahr im Sport (FSJ) hat sich zu einer unverzichtbaren Stütze des Jugendsports entwickelt, entweder als normales FSJ oder als FSJ anstelle des Zivildienstes. Auch im Schach haben unterdessen einige Vereine eine FSJ-Stelle eingerichtet und auch erste Landesschachjugenden arbeiten mit ihnen. Die Landesschachjugend Bayern berichtete von ihren Erfahrungen, und für die Vereinsebene zeigte die BG Buchen, welche Vorteile ein Verein aus der Arbeit eines FSJlers ziehen kann.
Die Vereinskonferenzen, die die DSJ in Zusammenarbeit mit den Landesschachjugenden seit einiger Zeit durchführen, sind eine Säule der Vereinsarbeit. Die Schachjugenden Bayern und Baden stellten den übrigen Landesschachjugenden vor, welche Eindrücke sie mit den Vereinskonferenzen gewonnen haben, wie sie selbst die Konferenzen nutzen, um in das direkte Gespräch mit den Vereinen zu kommen, und dadurch eigene Themen transportieren können. Beide Schachjugenden werden die Vereinskonferenzen weiter ausbauen und insgesamt gewinnt das Angebot an Zustimmung. Für dieses Jahr haben schon mehrere Landesschachjugenden ihr Interesse beim DSJ-Vorstand angemeldet.
Stärker werden bei Zielgruppen, die man schon im Blick hat, und neue Zielgruppen erobern, das sind zwei Wege um die Mitgliederzahlen zu steigern. Die Mädchenreferentin Barbara Alt berichtete für die Saarländische Schachjugend begeisternd von dem in 2009 durchgeführten ChessGirlscamp mit 30 Mädchen. Mit dem Girlscamp kann etwas getan werden für die Mitgliederbindung, aber auch für die Mitgliedergewinnung. Beides ist gerade im Mädchenbereich von immenser Bedeutung.
Mit der neuen Haupt- und Realschulmeisterschaft sollen neue Zielgruppen gewonnen werden, denn zur Zeit ist das Schulschach doch sehr gymnasiallastig. Dass dieser Antrag des Vorstandes heftig diskutiert wurde, lag nicht daran, dass die Delegierten das Ziel neue Zielgruppen zu erobern ablehnten, die Diskussion entbrannte vielmehr an der sehr differenzierten Schulwirklichkeit im föderalen Deutschland. Welche Schulform wird mit der neuen Haupt- und Realschulmeisterschaft angesprochen, wen schließt man mit ihr aus? Die Verbundschulen dürfen mitmachen, die integrierten Gesamtschulen nicht. Was ist aber zum Beispiel mit den neuen Schulformen in Berlin und Hamburg? Ein komplexes Thema, für das noch bessere Lösungen gefunden werden müssen.
Mit einer sehr knappen Mehrheit wurde auch die Öffnung der Spielberechtigung für die Vereinsmeisterschaft für Spieler aus grenznahen ausländischen Gebieten akzeptiert. Die Mehrheit fiel nicht so knapp aus, da man die Öffnung ablehnte, vielmehr standen auch hier viele Fragen der Organisation, der Überprüfbarkeit in der kritischen Diskussion.
Die Deutsche Schachjugend steht wie der DSB vor vielen zukunftsweisenden Aufgaben. Die Jugendversammlung im Saarland brachte viele Lösungsansätze und die Delegierten fuhren wie der Vorstand mit vielen neuen Ideen nach Hause.
Um das Jugendschach in Deutschland braucht einem nicht bange zu sein. Schon alleine deshalb nicht, da viele Jugendliche wie die beiden neuen Sachsen im Vorstand, immer wieder bereit sind, sich einzubringen, sich zu engagieren.
(Jörg Schulz)