Deutsche Meisterschaften 2008
der Deutschen Schachjugend

Dr. Karsten Müller ist Bundesligaspieler seit 1998, Großmeister seit 1998 und Trainer des Jahres 2007. Die SchOlly-Redaktion hatte Gelegenheit, ein paar Worte mit dem bekannten Schachtrainer und Endspielexperten zu wechseln:

 

Wie wird man Bundesliga-Spieler?

Damals trennten sich der Hamburger SV und der HSK. Damit waren die Spitzenspieler Nunn und Chandler nicht mehr zu halten. Der Hamburger SK schaute sich also nach Nachwuchsspielern in Hamburg und Schleswig-Holstein um. Ich wechselte vom SC Diogenes dann zum HSK in die Bundesliga. Heutzutage ist der Sprung in die Bundesliga für Jugendliche natürlich deutlich schwerer geworden. Die Bundesliga ist einfach tierisch stark.

 

Wann hast Du erfahren, dass Du Trainer des Jahres 2007 geworden bist?

Tatsächlich erst auf der Eröffnungsveranstaltung. Den ersten Hinweis gab es allerdings schon vorher, denn Jörg Schulz bat mich beim Abendessen, auf jeden Fall an der Veranstaltung teilzu-nehmen.

 

Wer hat Dich zur DEM mitgebracht?

Ich bin hier für die Niedersächsische Schachjugend, für die ich seit 2004 als Betreuer zur DEM fahre.

 

…aber Du bist auch sonst noch als Trainer aktiv?

Ja, ich trainiere regelmäßig in Hamburg am Landesstützpunkt. Von meinen Schützlingen dort spielen beispielsweise Jonas Lampert und Tobias Müller hier. Niclas Huschenbeth und Frank Bra-cker zum Beispiel sind nicht hier, weil sie in Hamburg IHEM spielen. Außerdem bin ich oft in Niedersachsen tätig. Da habe ich zum Beispiel die Kaphles, die Kyas-Brüder und im Bereich Wilhelmshaven trainiert. Punktuell habe ich auch schon mit Elisabeth Pähtz, David Baramidze und der Jugendolympiamannschaft trainiert.

 

Du bist ausgewiesener Endspiel-Fuchs. Warum fasziniert Dich gerade das Endspiel so?

Nun, ich bin ja Mathematiker und das Endspiel ist der Teil des Schachspiels, der der reinen Mathematik am nächsten kommt. Bei 3,4,5 und 6-Steinern gibt es sogar schon unfehlbare Computerdatenbanken, die die letzte Wahrheit enthalten. Wenn es mehr Steine sind, kommt es einem mathematischen Problem sehr nahe, weil – im mathematischen Sinne – zu beweisen ist, dass die Stellung gewonnen oder remis ist. Das ist für komplizierte Mittelspiele oder Eröffnungen natürlich nicht machbar.

 

Welche Endspiele spielst Du denn am liebsten?

Mein persönlicher Favorit sind Turmendspiele. Aus zwei Gründen: Erstens sind sie relativ schwierig zu spielen, weil Türme so viele Zugmöglichkeiten haben und selbst mit ein oder zwei Bauern weniger immer noch gute Remischancen bestehen. Zweitens liegen selbst Computer in der Stellungseinschätzung oft daneben. Außerdem kommen Turmendspiele natürlich auch häufig vor.

 

Wie vermittelst Du denn Endspielkünste?

Erstens gibt es natürlich Faustregeln. Zum Beispiel: DER TURM WURDE VON CAISSA NICHT GESCHAFFEN, UM PASSIV AM EIGENEN BAUERN ZU KLEBEN, SONDERN UM AKTIV RUMZUNERVEN!

Zweitens gibt es natürlich konkretes Rechentraining. Gerade in Bauernendspielen kann man konkrete Varianten lang durchrechnen und das super üben. Und ein weiterer Punkt: Besonders im Endspiel muss man das Potenzial und die genauere Wirkungskraft einer Figur gut einschätzen können. Denn oftmals gibt es hier nur eine Figur, die optimal eingesetzt werden muss.

 

Wie schätzt Du die Endspielfertigkeiten der DEM-Spieler hier vor Ort ein?

Gut, man muss wissen, dass Endspieltraining häufiger hinten angestellt wird. Eröffnungs- und Taktiktraining gehen vor. Das ist natürlich auch richtig, denn taktisch muss man erstmal sattelfest sein, sonst erreicht man das Endspiel gar nicht erst. Aber dann ist ein breiter Raum für Endspieltraining vorhanden und hier kann man schon bei der einen oder anderen Partie sehen, dass das hilfreich wäre.

 

Wie sind denn die DEM im Vergleich zu frü-her besetzt?

An der Spitze ist das Niveau der heutigen Jugendlichen sehr hoch und sicher höher als früher. Gerade das JOM-Konzept ist ja voll aufgegangen. Zum Beispiel Bogner, Huschenbeth, Meier, Braun oder Bindrich sind Leute, die sich super stark entwickelt haben. Bei den Mädchen kann Melanie Ohme beispielsweise noch in die Damenmannschaft vorstoßen und Sarah Hoolt hat in Capelle ein tolles Turnier gespielt und auch in der (Herren-)Bundesliga überzeugt.

Wie sich das Niveau in der Breite entwickelt hat, kann ich nicht beurteilen. Da müsste ich erstmal eine Untersuchung anstellen.

 

Du hast ja auch als Spieler DEM-Erfahrungen sammeln können. Wann war das und was kannst Du uns berichten?

Das war Anfang der 80er Jahre in Tönnisvorst. Ich habe damals U13 gespielt und Fritz Gatzke war schon Schiedsrichter – der sieht heute noch so jung aus wie damals! Damals wurde ich vor dem Turnier als einer der Mit- oder Geheimfavoriten gehandelt. Am Ende wurde ich Vorletzter. Also, wer hier weiter hinten landet: Es ist noch nichts verloren! Man kann immer noch Großmeister werden!

 

Karsten, wir danken Dir für dieses Gespräch!

 

Deutsche Schachjugend, 14.05.2015 | Impressum | Sitemap | Kontakt zum Webmaster
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