Nachwuchsförderung im Ehrenamt
Über zwei Ausgaben des DSJ-FORUMs haben wir die Thesen und Ergebnisse des Einführungsreferates von Prof. Dr. Helmut Richter auf der Herbsttagung der DSJ vorgestellt. Dem Einstiegsreferat folgte die Diskussion in drei Workshops, in denen die Inhalte des Referats aufgegriffen und unter folgenden drei Fragestellungen bearbeitet wurden:
1. Wie erleichtere ich den Einstieg ins Ehrenamt?
Oft ist die Hürde eine ehrenamtliche Aufgabe zu übernehmen wenig attraktiv. Wie können stückchenweise Jugendliche eingebunden werden, ohne gleich Vorsitzender eines Jugendausschusses zu werden?
2. Warum ehrenamtlich engagieren?
Was kann Jugendliche heute motivieren Ehrenämter auszuüben? Ehrenamtlichkeit wird nicht materiell entlohnt und ist gesellschaftlich noch immer wenig beachtet. Was moti-viert trotzdem? Gibt es eine Belohnung für das, was ich mache? Sind Ehrenamtliche die Esel oder eigentlich genau das Gegenteil? Wie schaffen wir uns unseren Spaß und sind auch als Leiter ein großer Teil der Gruppe? Was geht alles außer Training noch so? Chance der Ehrenamtlichkeit über allgemeine Jugendarbeit.
3. Wie kann ich Jugendliche in ihrer Arbeit stützen?
Viele Jugendliche werden mit ihrem Ehrenamt alleine gelassen. Wie kann ich sie stützen ohne zu nerven? Was wünschen sie sich? Geeignete Fortbildungen, welche Literatur müssen wir uns anschaffen? Welches Material ist geeignet, wann ist der Moment zu helfen? Feedbacks, Supervisionen, Lob, Anreize?
Zusammenfassung der Ergebnisse des Workshops I
„Wie erleichtere ich den Einstieg ins Ehrenamt“
Workshop-Leitung: Christian Warneke
Protokollführer: Jörg Schulz
Was müssen wir tun, um möglichst wenigen Jugendlichen den Einstieg in das Ehrenamt zu ermöglichen?
Die notierten und sortierten Antworten ergeben eine umfassende Schilderung von negativen Erfahrungen, die anscheinend reichlich bei der bisherigen ehrenamtlichen Arbeit gesammelt werden konnten. Da jeder selbst einiges dazu beisteuern kann, soll diese Negativliste hier nicht widergegeben werden.
Aus dieser Einstiegsrunde entwickelt sich folgende Aufgabenstellung:
Welche Formen der Nachwuchsgewinnung könnten sich daraus (aus der Negativliste) ergeben?
Folgende Punkte wurden hauptsächlich genannt:
ernst nehmen
unterstützen
Aufgaben verteilen
motivieren
was zutrauen
über Einstiege informieren, ansprechen
über Umfang der Tätigkeiten informieren
Rückzug ermöglichen
Zeitaufwand berücksichtigen
Spielräume lassen
eigene Strukturen schaffen lassen
ausprobieren lassen
Fehler erlauben
gutes Vorstandsklima schaffen
für gutes Image sorgen
Bedeutung der Aufgaben vermitteln
Feedback geben
stärker kommunizieren
Nachdem die Stichworte genannt sind, sollen daraus jetzt vier Arbeitsgruppen einen Art Fahrplan entwickeln für
a) Gewinnung für ein Vorstandsamt
b) Gewinnung zur Mitarbeit
Um dies übersichtlich präsentieren zu können (nur eine Seite Darstellung), lautet die Aufgabenstellung für a) und b) „ In 10 Schritten ins Ehrenamt!“
Die Arbeitsgruppen präsentieren ihre Ergebnisse zu a):
„Die 10 Vorstandsgebote“
1. gutes Vorstandsklima schaffen
2. Vorstandsämter flexibel gestalten und Fehler zulassen
3. Transparenz der Vorstandsarbeit
4. Vorstand „zum Anfassen“
5. Pool von aktiven Leuten schaffen/erhalten
6. Integration von Mitgliedern in Projekte/Vorstandsarbeit
7. Mitglieder offen auf Ämter ansprechen
8. zeigen, dass Vorstandsarbeit sich lohnt
9. Eigeninitiative der Mitglieder fördern/unterstützen
10. selbständiges Arbeiten fördern, Feedback geben
Der Weg in den Vorstand
Positive Atmosphäre schaffen, zum Beispiel durch gemeinsame Aktionen
Informationen über Ämter geben
Amtsinhaber informieren über Vereinszeitung, Schwarzes Brett, Homepage ... über Aufgabenfelder, über ihre Tätigkeiten
Ermitteln von Potenziellen Kandidaten
a) aufgabenorientierter Ansatz: Wenn ein Amt frei wird, sucht man einen Nachfolger
b) personenorientierter Ansatz: Wenn jemand geeignet ist, sucht man für ihn Aufgabenfelder (Sprungbrett: Arbeitskreise)
Motivation
Abgrenzung des Aufgabenfeldes besprechen, festlegen, ihm zeigen: er ist der Auserwählte „the One“
Darstellung der Vorzüge (Spaß, Lernen, ...), Erfolgserlebnisse schaffen, keine zeitliche Verpflichtung erzwingen
Hilfestellung
vorab – mitten drin - immer
Die Arbeitsgruppen präsentieren ihre Ergebnisse zu b):
In 10 Schritten zum Ehrenamt
1. allgemeine Sichtung von Helfern (Kriterien: Reife, Teamfähigkeit, spezielle Kenntnisse)
2. indirekte Werbung durch bereits Engagierte („Mund-zu-Mund-Propaganda“)
3. persönlichen Kontakt herstellen („Hast du schon von uns gehört?“ – „Hättest du generell Lust ...?“)
4. persönlichen Kontakt halten und intensivieren
5. Planung des Turniers/der Veranstaltung und Auswahl der Aspiranten
6. Vorstellung des Aufgabenfeldes und Überzeugung durch Anreize (Verantwortung, Teamgeist, Belohnung, ...)
7. JA oder NEIN Phase (natürlich ja!)
8. genaue Einführung ins Thema und gemeinsame Vorbereitung im Team
9. Durchführung des Turniers/der Veranstaltung
10. Feedback
Der Weg zum Ehrenamt
1. Aufmerksamkeit erregen und Interessen ansprechen, Vereinseintritt
2. Ausflüge, Aktionen, Feste, persönliche Kontakte/Bindung an den Verein
3. kleinere Aufgaben verteilen (Telefonate, Fahrpläne, ...), Gewöhnung an Vereinsarbeit
4. eigene Ideen fördern und diskutieren, eigenes Engagement fördern
5. zu größeren Aufgaben motivieren, stärkere Einbindung in den Verein
6. Amt als Mannschaftsführer, Jugendsprecher etc., langfristige Übernahme eines Amtes
7. Teilnahme an regionalen und nationalen Veranstaltungen, eventuell Einbindung in die DSJ, allgemeine Sichtung von Helfern (Kriterien: Reife, Teamfähigkeit, spezielle Kenntnisse)
Nachdem die vier Arbeitsgruppen ihre Ergebnisse vorgetragen haben, wird im Plenum kritisch überprüft, wie realistisch die Ideen sind, wie umsetzbar sie sind.
Welcher Aufwand ist dafür nötig?
Welche Kosten sind dafür nötig?
Wie konkret sind die Ideen?
Insgesamt waren sich die Teilnehmer des Workshops I einig,
dass ihre Vorschläge sehr gut umsetzbar sind,
der Aufwand für die Umsetzung gering ist,
gefordert ist hauptsächlich guter Wille,
die Umsetzung keine Frage der Kosten ist,
weshalb man der Meinung ist, mit diesen realistischen Vorschlägen Jugendlichen den Weg ins Ehrenamt ebnen zu können.
(In den nächsten FOREN wird die Arbeit anderen beiden Workshops vorgestellt.)