Der Zug des Gegners sieht nur im ersten Moment kompliziert aus - zwar ist das Brett mit Figuren noch gut bestückt und so genau kann man noch nicht absehen, wer jetzt von der offenen Linie profitiert. Aber das ist alles kein Problem, denn der Computer hat flink eine zwingende, siebenzügige Mattkombination ausgeworfen. Da macht der Gegner große Augen und schließlich die gewünschte Geste. Er reicht die Hand und gibt auf. Alles ganz einfach also.
Eigentlich. Denn wessen Sieg ist es denn nun, der da gefeiert wird? Die bescheidenen Fähigkeiten, ein Schachprogramm halbwegs ordnungsgemäß bedienen zu können, haben sich durchgesetzt gegen das ernsthafte Bemühen des Gegners, Schach wirklich zu spielen. Da hätte dann aber auch gleich der Computer gegen den Gegner spielen können. Und damit die Chancen gewahrt bleiben, sollte der Gegner auch direkt durch einen, womöglich besseren, Rechner ersetzt werden. Das Einzige, was am Ende noch stört, sind dann die Spieler!
Zugegeben, das ist schon eine ziemlich weitgehende Vorstellung. Aber man kann hier schön sehen, warum das Fairplay auch im Schach so wichtig ist. Denn wieso sollte ich Sport treiben, wenn ich nicht mein eigenes Können und meine eigenen Fähigkeiten mit denen anderer Sportler messe? Unfaires Verhalten, insbesondere die Hilfe von anderen Personen und die Verwendung unerlaubter Hilfsmittel, nehmen einem Turnier und einer einzelnen Schachpartie den Sinn. Denn gefälschte Ergebnisse sind nun mal nichts wert!
Doch das Fairplay fängt schon im Kleinen an. Schach soll schließlich und in erster Linie Spaß machen, egal ob beim einfachen Spielen oder beim "ernsthaften" Turnier! Der Spaß hört aber zum Beispiel da auf, wo man sich über seinen Gegner lustig macht, ihn auslacht für Fehler, die einem vielleicht selbst schon mal passiert sind oder passieren könnten. Niemand kann immer und überall fehlerfrei spielen. Wenn man einen Fehler gemacht hat, ärgert man sich selbst darüber eh am meisten. Aufmunterungen sind also hier allemal besser, als Lacher oder dumme Sprüche. Es ist nicht fair, dem Gegner und natürlich auch nicht dem eigenen Mitspieler damit den Spaß am Spiel zu verderben. Darauf hätte nämlich keiner von uns Lust.
Und das gilt natürlich auch und im Besonderen für die Eltern und Trainer, die meinen, sie müssten ihr Kind oder den Vereinsjugendlichen für schlechtes Spiel auch noch zurechtweisen und ausschimpfen! Es gibt wenige Methoden, schneller Kinder und Jugendliche vom Schach wegzubekommen. Das sehen nur leider viele erst, wenn es bereits zu spät ist.
Daher muss das Fairplay tatsächlich vorgehen!
Gemeinsam mit den Landesverbänden haben wir auf der Jugendversammlung 2002 beschlossen, uns für den Gedanken des Fairplay einzusetzen, weil dies eine Grundvoraussetzung für ein gemeinsames Schach Spielen ist. Dass Fairplay sich aber nicht darin erschöpft, nicht zu betrügen und den Gegner nicht auszulachen, wurde in sieben goldenen Regeln für das Fairplay formuliert.
1. Ich achte meinen Gegner!
2. Ich erkenne die Regeln des Schachsportes an!
3. Ich mache auf Fehler aufmerksam!
4. Ich benutze in meinen Partien keine Hilfsmittel!
5. Ich lasse mir nicht von Dritten helfen!
6. Ich störe meinen Spielpartner nicht bei der Konzentration!
7. Ich will nicht um jeden Preis gewinnen!
Dies sind aber nur die Grundbedingungen für ein Schach, das allen Spaß macht. Mit Leben erfüllt wird diese Idee nur, wenn Ihr sie wirklich beherzigt und mitmacht. Denn dann könnt Ihr das gute Gefühl haben, dass es tatsächlich Euer Erfolg ist und keiner, der auf Kosten von anderen entsteht!
Damit Ihr quasi auch was "schwarz auf weiß" (oder vielmehr sehr bunt) habt, hat unser Maskottchen Chessy sich mal Gedanken gemacht und mit dem Thema Fairplay auseinandergesetzt. Dabei kamen zunächst ein kleiner Flyer und ein großes Plakat heraus. Diese Materialien eignen sich für die Verwendung bei Turnieren, Vereinsveranstaltungen oder einfach auch zum Auslegen und Aufhängen im Vereinlokal. Der Flyer im Format 20x21 cm und das Plakat im Format DIN A2 sind kostenlos und können gegen Erstattung der Versandkosten über die Geschäftsstelle der DSJ in Berlin bezogen werden.
Das Gedicht zum Fairplay!
Zehn kleine Schachanfänger reichten sich die Hand,
einer hat den Pocket-Fritz,
er wurde schnell erkannt.
Neun kleine Schachanfänger spielten mit Bedacht,
bei einem spielt der Vater mehr,
da waren's nur noch acht.
Acht kleine Schachanfänger kämpften um zu siegen,
einer quatschte ständig rum,
da waren's nur noch sieben.
Sieben kleine Schachanfänger hatten ihren Kodex,
doch einer kauft Partien ein,
da waren's nur noch sechs.
Sechs kleine Schachanfänger spielten mit der Uhr,
einer drischt wie wild drauf ein,
den Schiri wundert's nur.
Fünf kleine Schachanfänger spielten ein Turnier,
Einer schaut ins Buch dabei,
da waren's nur noch vier.
Vier kleine Schachanfänger schrieben fleißig mit,
einer machte Striche nur,
jetzt spielen sie zu dritt.
Drei kleine Schachanfänger machten einen Zug,
einer macht gleich zweimal einen,
ich glaub, das war nicht klug.
Zwei kleine Schachanfänger führten meilenweit,
Kurzremis wie abgesprochen,
sie flogen gleich zu zweit.
Ein neuer Schachanfänger spielte simultan,
er kämpfte hart, blieb dabei fair
und siehe, er gewann!
(von Bernd Vökler)
Die Deutsche Schachjugend gibt in den kommenden Monaten weitere neue Werbematerialien für die Verwendung in den Vereinen heraus. Aktuelle Infos und Bildbeispiele können demnächst auf unserer Homepage in dem Kapitel "Vereinshilfe" abgerufen werden.
(Michael Klein)