War das der große Wurf?
Der letztjährige Kongress des DSB in Cottbus ist allen noch in guter Erinnerung, da dort der große Wurf der Satzungsreform scheiterte. So fragte man sich natürlich vor dem diesjährigen Kongress in Mainz, was aus dem zweiten Versuch werden würde? Ein kraftvoller Befreiungswurf für die Zukunft des DSB, oder ein flauer Flatterwurf mit tausend Kompromissen.
Um es kurz zu machen. Es wurde ein Würfchen, mehr aber auch nicht. Und selbst der war lange infrage gestellt, da sich plötzlich die großen und die kleinen Landesverbände in die Haare bekamen. Die lang erprobte Variante des Minderheitenschutzes aus der Jugendordnung der Deutschen Schachjugend wollte man nicht übernehmen, auf eine eigene sich nicht verständigen. Am Ende kam ein typisch politischer Kompromiss heraus: Man versprach sich fest in die Hand das Problem im nächsten Jahr zu lösen und schaffte so die Zweidrittelmehrheit für die Satzungsreform. Ob die an der Arbeit des DSB etwas ändern wird, am Zusammenspiel der verschiedenstufigen Gremien, wird die Zeit und werden die handelnden Personen zeigen müssen.
Viel entscheidender für das deutsche Schach der nächsten Jahre waren dann auch die Diskussionen um die Austragung der Schacholympiade in Dresden 2008 und die damit verbundene Schachoffensive in Deutschland. Ein Viertel mehr Mitglieder bis 2008 erhofft sich der DSB durch viele begleitende Maßnahmen der Breitenarbeit und der Öffentlichkeitsarbeit, zudem einen neuen Schub in der Nachwuchsarbeit Leistungssport.
Zu Beginn des Kongresses stand nicht fest, ob die Delegierten dafür auch die benötigten Gelder bewilligen würden, denn aus der Portokasse oder gar dem laufenden Haushalt sind neue bundesweite Maßnahmen nicht zu finanzieren. Das war eigentlich klar! Und ob Gott Sponsor helfen würde, war auch mehr die Frage nach einem ungedeckten Scheck, der wie durch ein Wunder zu einem gedeckten werden würde.
Nach guten Präsentationen und vielen Diskussionen war dann auch der breiten Mehrheit des Kongresses klar, wer powern will, muss auch bereit sein, vorher zu investieren. Eine deutliche Zweidrittelmehrheit sprach sich für den Schachboom in Deutschland aus und folgte damit den vielen positiven Stimmen und Reaktionen der Basis. Denn bei den Vereinen und Schachfreunden außerhalb der Kongressmauern kamen die im Internet verbreiteten Ideen des Olympiaausschusses des DSB sehr gut an.
Einzig die bayerischen Delegierten bezweifelten alles und stimmten für nichts. Selbst auf die einfache und folgenlose Frage, ob der Kongress generell eine Schacholympiade in Deutschland begrüßen würde, stimmte man mit Nein und Enthaltung. Ja wie will man denn überhaupt Schach fördern?
Klammert man die Satzungsfrage aus und zieht nur die Diskussion um die Schacholympiade zur Beantwortung der eingangs gestellten Frage heran, dann kann man zu recht sagen, dass der Kongress 2004 in Mainz zum großen Wurf in Sachen Schachförderung angesetzt hat.
Jetzt müssen „nur noch“ die Delegierten des Weltschachbundes FIDE überzeugt werden, dass wir in Dresden die Schacholympiade 2008 gut ausrichten können, und dann kann es ab November 2004 losgehen und dem Schachboom in Deutschland. Dem Kongress sei Dank!
(Jörg Schulz)