Deutscher Schachbund – Deutsche Schachjugend
gemeinsam in die Zukunft!
Im Vorfeld des DSB-Kongresses in Cottbus standen zwei Themen im Mittelpunkt des Interesses: Der Antrag Sachsens und Thüringens zur Spielberechtigung von Ausländern bei den Deutschen Mannschaftsmeisterschaften (Bundesligen) und die neue Satzung des DSB mit neuen in die Zukunft weisenden Strukturen. Doch die Beschlussfassung konnte mit dem gezeigten Interesse nicht Stand halten.
Was war das für ein Muskelspiel gewesen. Drohungen wurden ausgestoßen, Rechtsgelehrte aller Art meldeten sich zu Wort, der Fortbestand des DSB stand auf der Kippe, eine neue Struktur musste her, sonst sei man pleite, so hieß es. Doch am Ende blieb nichts von all den Plänen übrig.
Der wichtige Antrag zum Spielbetrieb, von Internetbefragungen und einem breiten Presseecho begleitet, landete nach kurzer Diskussion im Bundesligaausschuss. Länger und heftiger wurde um die neue Struktur und Satzung gestritten, am Ende wurde aber auch hier alles vertagt um ein Jahr auf den nächstjährigen Kongress in Mainz.
Bei der Satzungsdiskussion ging es allerdings schon zur Sache und es wurden Positionen fest geklopft. Vor allem zeigte sich, dass die gesamte neue Struktur in allen Gremien des DSB zu wenig kommuniziert wurde. Wie sonst ist es zu erklären, dass das Präsidium die neue Satzung direkt vor dem Kongress mit 12:3 Stimmen ablehnte, dass noch auf der vorbereitenden Sitzung des Erweiterten Präsidiums ein Antrag auf Verschiebung um ein Jahr nur knapp abgelehnt wurde. Zu viele offene Fragen, offene Flanken bot die neue Satzung. Wie soll künftig die Facharbeit der Referate erledigt werden? Welche Gremien haben welche Zuständigkeiten? Wie sollen die drei Vizepräsidenten ihre Aufgaben erledigen? Wie kann es angehen, dass sich eines der wichtigen Gremien, das Erweiterte Präsidium nicht der Kontrolle des Kongresses stellen soll?
Fragen über Fragen, doch wer gab die Antworten?
Zukunft mit oder ohne DSJ gestalten?
Eine der Nagelproben war die Frage, ob im verkleinerten Präsidium des DSB die DSJ Sitz und Stimme haben sollte oder nicht? Diese Frage wurde unterschiedlich beantwortet, je nachdem von welcher Seite man an die Frage heranging. Die Gruppe um den DSB-Präsidenten herum argumentierte, das frühere Geschäftsführende Präsidium, zuständig für die Tagesarbeit, bleibt bestehen und bekommt eine größere Bedeutung, in ihm war aber auch früher die DSJ nie vertreten, warum solle sie es also künftig werden? Doch sie lasen die neue Satzung nicht genau. Denn mit der neuen Satzung sollte das alte Geschäftsführende Präsidium abgeschafft werden und das Präsidium, in dem alle Referenten und Präsident mit Schatzmeister und Vizepräsidenten sowie die DSJ saßen, sollte in Wirklichkeit verschlankt werden, um Kosten zu sparen, und zwar um die Referenten und die DSJ. Die konzeptionelle Aufgabenstellung und die Zukunftsorientierung blieben erhalten. Warum aber soll der DSB die Zukunft ohne seine Jugendorganisation gestalten, von der er immer wieder sagt, sie sei das Fundament des DSB?
Diese Frage warf dann auch in einer bemerkenswerten Rede der 1. Vorsitzende der Deutschen Schachjugend, Patrick Wiebe, auf. Er stellte die Ideen der DSJ gegen, ja gegen was eigentlich? Er bat um andere, weitere Ideen, um in einen Ideenwettstreit zu treten. Doch der blieb aus.
Wenn Mehrheiten Minderheiten werden!
Der Antrag der DSJ, das neue Präsidium mit der DSJ zusammen zu gestalten, fand eine große Zustimmung im Kongress aber nicht die Mehrheit der Stimmen. Mit 103:117 wurde der Antrag auf Sitz und Stimme der DSJ im Präsidium abgelehnt. Doch auch der Alternativantrag des DSB-Präsidenten, das neue Präsidium ohne die Beteiligung der DSJ in der Satzung fest zu schreiben, erhielt nicht die nötige 2/3-Mehrheit.
Die Befürworter des DSJ-Antrages wurden nun schnell in die Ecke der Reformverhinderer gestellt. Doch wer genau hinschaute, stellte fest, die überwiegenden Mehrheit der Landesverbände sagte ja zur Einbindung der DSJ in die Arbeit des DSB. Vier Verbände (darunter die beiden größten) stellten sich gegen zwölf Verbände (einer enthielt sich), die sich eindeutig für einen DSB mit der Jugend aussprachen. Wer verhinderte hier was? Die Jugendordnung der Deutschen Schachjugend hält für solche Fälle eine gute demokratische Bestimmung bereit. Dort ist festgehalten, dass die Minderheit der Länder nicht die Mehrheit überstimmen kann. Eine interessante Idee auch für den DSB!
Neue Chance, neuer Satzungsausschuss
Nachdem sich im Kongress immer mehr die Einsicht durchsetzte, dass die neue Satzung noch nicht reif für eine Abstimmung war, beschloss man, die Entscheidung über eine neue Satzung auf den nächsten Kongress zu verschieben. Doch die Diskussion sollte nicht umsonst gewesen sein, weshalb man dem neu gebildeten Satzungsausschuss - Wiebe (DSJ), Alt (Bayern/DSB), Deventer (DSB), Wehl (Schleswig-Holstein), Tietze (Niedersachsen), S. Müller (Sachsen) - folgende Eckpunkte mit auf den Weg gab:
Der Kongreß setzt eine paritätisch besetzte (DSB/DSJ und Länder) Satzungskommission ein. Vorschläge und Anmerkungen der Präsidiumsmitglieder und der Landesverbände sind bis zum 1. Juli 2003 einzureichen. Die Aufgabe ist es, bis zum 15. Oktober 2003 dem Präsidium und dem Erweiterten Präsidium einen Entwurf zuzuleiten. Verbindliches Ziel ist, die Vorlage einer neuen Struktur auf dem Kongreß 2004. Folgende Festlegungen des Kongresses in Cottbus sind dabei zu berücksichtigen:
Der bisherige Satzungsentwurf.
Die Diskussionsergebnisse des Bundeskongresses 2003.
Drei Vizepräsidenten sind vorzusehen.
Ein Aufgabenprofil für die drei Vizepräsidenten ist zu schaffen.
Zusammensetzung und Aufgaben des Erweiterten Präsidiums sind zu definieren.
Die Einbindung der DSJ ist zu gewährleisten.
Zwei-Jahres-Rhythmus des DSB-Kongresses (wurde schon beschlossen).
Wegfall einer Strukturebene.
Drei ständige Kommissionen – Ja oder Nein?
Die Vorschläge der Referenten für die Arbeit in ihren Kommissionen mit dem Ziel der Verkleinerung.
(Rainer Niermann)