Der Schachspieler als Zielgruppe
In den Mittelpunkt aller Überlegungen muss zuallererst wieder der Schachspieler gestellt werden. Er ist die Zielgruppe, um die sich der DSB kümmern muss:
Was er möchte?
Wie er Schach spielen will?
Wann und wie lange, in welchem Ambiente?
Was ihn zum Schach treibt?
Was er erwartet von den Organisatoren?
Derzeit stehen im Mittelpunkt das Regelwerk, die Verwaltung des Spielbetriebes mit vielen Hindernissen für das Sporttreiben, mit Strafen und Gebühren. Natürlich reagieren die Schachspieler und die Vereine darauf. Sie melden ihre Mitglieder nicht und ziehen lieber Mannschaften zurück, als Risiken einzugehen. Den Spielleiter mag es freuen, das Schach befördert es nicht.
Stattdessen: Flexibilität ist gefragt! Ein Einsteigen zu jeder Zeit mit verschiedenen Formen von Mitgliedschaften sind zu erproben, über Spielzeiten ist nachzudenken. Wie muss ich Schach anbieten, wie kann ich es dem Freizeitverhalten der heutigen Zeit angleichen?
Trends erkennen - Trends aufgreifen
Wie will und kann der Spielleiter Trends aber erkennen? Gar nicht, denn er findet nichts darüber im Regelwerk! Vielmehr benötigt der Deutsche Schachbund Trendforscher, oder, weniger professionell ausgedrückt, er muss sich mit den Trends der Gesellschaft beschäftigen. Es gibt zahlreiche Untersuchungen darüber, die als Grundlage dafür dienen können. Und dann muss der DSB natürlich gewillt sein, die aufgezeigten Trends auch aufzugreifen und bemüht sein, das Schachspiel darauf auszurichten.
Ideengeber ran lassen - Mut zur Veränderung
Das führt aber nur zum Erfolg, wenn der DSB kreative, innovativ denkende Persönlichkeiten in die Funktionen wählt, die den Mut zur Veränderung mitbringen. Mut deshalb, da nicht jede Veränderung erfolgreich sein muss. Wer verändern will, muss auch Rückschläge in Kauf nehmen können, muss flexibel und bereit sein, sich zu hinterfragen und Korrekturen vorzunehmen. Eine gescheiterte Idee bringt dem Gesamten immer mehr als ein "weiter so"! Der DSB benötigt weniger Funktionärsgremien, stattdessen verschiedene Zukunftswerkstätten mit Mitarbeitern, die am besten von außen gewonnen werden.
Schach mit zeitgemäßen Ideen -
Schach immer und überall
Schach muss zu jeder Zeit und überall gespielt werden können und zwar als Angebot des Verbandes und nicht zu Hause mit der Spielesammlung. Schach muss daher eng zusammen arbeiten mit anderen Freizeiteinrichtungen und Verbänden, mit Ferienorten, mit Kneipen etc. Schach muss auf die Straße, muss erkennbar sein, damit man überall darüber fällt. Heraus aus den verrauchten Hinterzimmern und hinein ins Leben. Der Verband darf keine Angst vor dem Computer, dem Internet oder anderen Schachanbietern haben. Er muss vielmehr die Zusammenarbeit suchen und anstreben, die Rolle des Ideengebers zu übernehmen.
Schach als Event
Ach, wie war das früher einfach. Man brauchte nur einige Bretter aufzubauen und schon war der Schachspieler zufrieden gestellt und spielte sein Turnier. So geht es auch heute noch. Doch immer mehr Schachfreunde möchten heutzutage mehr erleben als eine Partie am Tag. Er erwartet ein Tagesprogramm, einen ansprechenden Rahmen um das Turnier. Er möchte seine Turnierwoche gestaltet bekommen vor und nach der Partie. Dazu gehört ein Programm für den Lebenspartner und ein Ambiente, in dem man sich wohl fühlt. Er möchte vermittelt bekommen, dass er im Mittelpunkt der Veranstaltung steht.
Die Deutsche Amateurmeisterschaft des Deutschen Schachbundes war ein guter Schritt in die richtige Richtung. Und wie war die Reaktion darauf beim DSB, bei den Landesverbänden? Zu großer Aufwand, zu viele Mitarbeiter, zu teuer, das rechnet sich nicht. Und diese Reaktion angesichts von weit über 1.000 begeisterten Schachspielern, die sich nach langer Zeit mal wieder zu einem Turnier aufrafften, weil das Angebot stimmte, weil sie sich angesprochen fühlten!
Oder nehmen wir die Deutschen Jugendmeisterschaften, bei denen sich sogar der Spieler auf dem 100. Platz auf die nächste Meisterschaft freut und hofft dabei zu sein. Weil es ein Erlebnis ist! Weil man eine Woche lang dabei sein darf, beim größten Schachevent des Jugendschachs in Deutschland. Die Reaktion des DSB: Es gibt zu viel Ablenkung vom Leistungssport, so werden wir nie die 2700 Elo erreichen, ein Tod des Leistungssports, zu teuer etc... Da haben 350 Kinder und Jugendliche und ihre ca. 300 Begleiter eine Woche lang ein hervorragendes Schacherlebnis, aber die Bedenkenträger des DSB wissen alles besser, ohne oftmals noch nicht einmal dabei gewesen zu sein!
Wann erkennen auch sie, dass Schach mit und von Schachevents lebt?
Wir hoffen bald, denn sonst ist der Zug abgefahren und fährt ohne den DSB in Richtung Zukunft ...!
Schach in der Öffentlichkeit
Doch was nützt das schönste Event, wenn keiner davon spricht?
Schach hat einen hohen Bekanntheitsgrad in der Gesellschaft, ca. 30 Millionen, ein Drittel der Bevölkerung, beherrschen die Schachregeln. Nimmt man die Lebensläufe bekannter Persönlichkeiten zur Hand, so findet man zumeist Schach erwähnt.
Aber warum bekennen sich diese Persönlichkeiten nicht öffentlich zum Schachspiel und Schachsport? Was tut der DSB für diese Top-Leute der Gesellschaft? Wie kümmert, bemüht sich der DSB um diese Leute? Was tut er dafür, dass sich die Persönlichkeiten offen zum Schach bekennen? Wie steht es um die Öffentlichkeitsarbeit des DSB?
Sie wird von Amateuren betrieben, die keine Fachleute sind, die mit wenig zufrieden sind. Und Geld will man erst recht nicht dafür ausgeben. Das hat ja auch nichts mit Leistungssport zu tun. Wer grüßt wen zum Geburtstag oder zu Weihnachten, das reicht dem DSB. Das reicht aber nicht, um Schach in der Gesellschaft erkennbar zu positionieren!
Vereine unterstützen
Der Schachsport ist so gut oder schlecht wie die Vereine es sind. Eine Binsenweisheit. Doch wie reagiert der DSB darauf? Er sei ein Verband der Verbände und damit also nicht zuständig für die Vereine. Man will sich ja nicht in "fremde" Angelegenheiten einmischen!
Ein schwerer Fehler, denn was tun die Landesverbände für die Vereine? Man schafft Regeln und hofft, dass die Vereine nicht über zu hohe Beiträge meckern. Aber sonst? Da könnte der DSB ja auch mal was tun. Recht so. Hin und her schieben, so löst man es am besten!
Dann hat der DSB doch reagiert und das Qualitätssiegel für Vereine geschaffen. Ein Gütesiegel für hervorragende Arbeit vor Ort. Und was tun die Landesverbände? Sie schweigen darüber. Oder das Grüne Band der Dresdner Bank für gute Jugendarbeit im Leistungsbereich. Was tun die Landesverbände? Sie streiten über Zuständigkeiten und Formalien! Warum motivieren sie die Vereine nicht zur Teilnahme?
Nein, im DSB und bei den 17 Landesverbänden spielen die Vereine keine Rolle. Der Bereich Breitensport hat Schritte in Richtung auf die Vereine unternommen. Das allerneueste Zeichen ist der Vereinsservice. Mal sehen wie er von den Landesverbänden unterstützt wird!
Nur das sei dem DSB mit seinen 17 Landesverbänden ins Stammbuch geschrieben:
wenn sie die Vereine nicht motivieren, ihnen nicht bei der Arbeit helfen, dann kann dem DSB auch nicht geholfen werden. Denn die Vereine werben für den Schachsport, sie kümmern sich um die Mitglieder. Bei ihnen finden sie ihr Angebot! Sie halten die Mitglieder, nicht der DSB oder die 17 Landesverbände.
Breitensport - Leistungssport
Ach ja, es ist ja noch die Frage zu beantworten, was mehr gefördert werden muss, der Breitensport oder der Leistungssport?
Ist das überhaupt eine ernsthaft gestellte Frage?
Natürlich ist beides gleichberechtigt zu fördern, so wie es in der vom DSB-Kongress verabschiedeten Breitenschachkonzeption verankert ist! Ohne die Leistungen und herausragenden Ergebnisse, wie sie von der Nationalmannschaft in letzter Zeit erbracht werden, kann ein Verband in der Öffentlichkeit nicht präsent sein, aber ohne den Breitensport spricht er die Breite von Schachliebhabern, die selbst Schach spielen wollen, nicht an.
Also beides gleichberechtigt nebeneinander, das ist die Antwort auf die Nichtfrage!
Aber von wegen Nichtfrage, für den DSB ist es eine. Für den Breitensport wird schon zu viel getan, so heißt es. Richtig. Für den Breitensport werden ca. 18.000 Euro und für den Leistungssport ca. 100.000 Euro ausgegeben. Da muss man sich um die Prioritäten Sorgen machen!
Zum Schluss
Wenn sich der Deutsche Schachbund künftig an seinen Mitgliedern, den Schachspielern, orientiert, wenn er die Vereine in den Mittelpunkt der Überlegungen stellt, wenn sich die Funktionäre selbst an die letzte Stelle der Aufmerksamkeit stellen, dafür der Öffentlichkeitsarbeit, dem Breitenschach und dem Leistungssport hohe Priorität eingeräumt werden, dann brauchen wir keine Angst vor der Zukunft zu haben. Und die 150.000 Mitglieder, von denen der Referent für Öffentlichkeitsarbeit des DSB träumt, stellen keine Hürde dar.
Der Vorstand der DSJ
- Die DSJ - die Zukunft des DSB -