von Uwe Brandenburger
Das Kindergartenschach wird in Mannheim jetzt schon im 3. Jahr angeboten und genießt eine immer größer werdende Beliebtheit bei allen. Da sind zum einem die Kindergärten, die durch das Schach ein gutes Angebot in ihrem Programm geben können. Die Kinder, die auf eine neue Weise in ihrer Entwicklung gefördert werden und eine Sportart kennen lernen, die abwechslungsreich ist und viel Spaß machen kann. Die Eltern, die, aufgeschreckt durch die Pisa-Studie, sich durch Schach einen besonderen Lerneffekt erhoffen.
Zum anderen profitiert auch das Schach an sich und die Region Mannheim durch dieses Projekt. Der Zulauf bei den Vereinen ist gestiegen. Es ist eine große Chance für eine gute und auf lange Sicht erfolgreiche Jugendarbeit. Ich habe dann mit dem STR Mannheim Lindenhof e.V. einen Verein gefunden, der in Kooperation mit mir arbeitet und mir geholfen hat, mein Hobby zum Beruf zu machen.
Das Interesse ist nicht nur in der Öffentlichkeit durch die örtliche Presse mit verschiedenen Artikeln gestiegen, auch die Stadt Mannheim und andere Einrichtungen (z.B. die Aktion Mensch, früher: Aktion Sorgenkind) sind aufmerksam geworden und unterstützen inzwischen das Projekt „Schach an Mannheimer Kindergärten“. Natürlich bedeutet das viel Arbeit und Anstrengung, aber mit Markus Keller habe ich einen sehr guten und hilfsbereiten Partner gefunden. Er engagiert sich hauptsächlich in den Fragen der externen Finanzierung und macht viel für die Öffentlichkeitsarbeit.
Wie funktioniert das Kindergartenschach?
Das Kindergartenschach findet natürlich im Kindergarten statt und umfasst ein Jahr. Es beginnt im August und geht bis zum Juli. Schach findet mit jeder Gruppe einmal die Woche statt. Eine Gruppe besteht aus mindestens 4, aber höchstens 8 Kindern. Sonst wäre eine sinnvolle Betreuung nicht möglich. Die Kinder sind zwischen viereinhalb und sechs Jahren alt. Jünger sollten sie meiner Meinung nach nicht sein. Nur in einzelnen Fällen und nach Absprache mit der Kindergartenleitung können diese auch etwas jünger sein. Wichtig ist eine homogene Gruppe im gleichen Alter hinzubekommen, da die Lerngeschwindigkeit von viereinhalb und sechs Jahren unterschiedlich hoch ist.
Der Kurs dauert cirka eine Stunde, was am Anfang natürlich nicht so einfach ist. Erst nach 6 Monaten sind die meisten Kinder in der Lage, längere Konzentrationseinheiten von etwa 20-30 Minuten mitzumachen. Deswegen muss vor allem am Anfang die Schachstunde sehr abwechslungsreich und kreativ aufgebaut sein.
Eine Erzieherin muss nicht unbedingt anwesend sein, manche Kindergärten möchten es jedoch so haben. Mein Ziel ist es, mit den Schützlingen nach etwa 6 Monaten das Kindergartendiplom zu machen. Hier wird jedes Kind einzeln zur einfachen Schachkunde befragt. Das Diplom entspricht in etwa dem Bauerndiplom, aber ohne Rochade und en passant, dafür liegt der Schwerpunkt auf den Figuren mit der Gangart und beim Schlagen.
Auch wenn Schach in manchen Fällen schneller vermittelbar ist, sollte darauf geachtet werden, dass die Kinder nicht überfordert werden. Schließlich soll das Schach vor allem Spaß machen. Auch Geduld ist vonnöten. Häufig läuft es nicht so, wie du es dir vorstellst. So entwickelt sich die Abstraktion von Demonstrationsbrett über Arbeitsblätter zum Schachbrett erst im Laufe der Zeit. Die ersten zwei Lerneinheiten sind Schnupperstunden, um herauszufinden, ob das Kind Schach lernen will und ob es auch dafür geeignet ist.
Was braucht man alles für das Kindergartenschach?
Genügend Schachbretter sind deswegen erforderlich, damit sich keiner von den angehenden Großmeistern ausgeschlossen fühlt.
Einheitliche Figurensätze erleichtern die Arbeit ungemein. Es gibt keinen Streit um die Figuren, welche schöner sind und welche nicht.
Das Demonstrationsbrett ist vor allem am Anfang wichtig und verliert auch später nur wenig an Bedeutung. Farbige Magnete helfen beim Erklären und die Schachanfänger können aktiv mitarbeiten.
Große Arbeitsblätter mit Malaufgaben auf dem Schachbrett helfen dem besseren Verständnis.
Eine Schachuhr kommt bei mir meist erst nach dem Kindergartendiplom zum Einsatz, dafür mit großer Begeisterung.
Nach ungefähr zwei bis drei Monaten benutze ich hin und wieder zur Abwechslung einen Laptop. Da es für die meisten eine neue Erfahrung ist – zu Hause dürfen sie oftmals noch nicht mit dem PC spielen – trifft das auf besonders guten Anklang bei den Kindern.
Wichtig ist auch, dass ein relativ ruhiger Raum vorhanden ist, wo die Kinder nicht so leicht durch andere Sachen abgelenkt werden.
Die Kinder können durch die roten Magneten sehr gut am Demonstrationsbrett mitarbeiten.
Fragen?
Uwe Brandenburger, E7, 14, 68159 Mannheim