Deutsche Schachjugend
im Deutschen Schachbund e. V.


Der Gastgeber im Herzschlagfinale als Meistermacher

Die letzten beiden Runden des Turniers sollten die Entscheidung über den Ausgang der Meisterschaft bringen. Die führenden Niedersachsen empfingen in der Spitzenpaarung Nordrhein-Westfalen. In diesem Duell auf Augenhöhe wollten beide Mannschaften unbedingt den Sieg davontragen. Folglich wurden alle acht Partien ausgekämpft, insgesamt sprang nur ein Remis dabei heraus. Mit 4½–3½ hatten die Westdeutschen am Ende knapp die Nase vorn und rissen die Niedersachsen unsanft aus ihren Titelträumen.

Von dieser Niederlage des Spitzenreiters konnte Hamburg profitieren, das sich mit einer erneut überragenden Mannschaftsleistung ein 4½–3½ gegen Hessen erspielen konnte. Die dafür so wichtigen ganzen Punkte steuerten Tobias Müller und Guido Stanau an den Brettern 3 und 5 bei. Damit standen die Hansestädter vor der letzten Runde mit einem Mannschaftspunkt Vorsprung auf dem ersten Platz.

Die vorher so gebeutelten Württemberger konnten sich gegen Rheinland-Pfalz rehabilitieren und gewannen klar mit 7–1. Dadurch konnten sie den Abstand von zwei Punkten auf Hamburg zwar lediglich beibehalten, holten jedoch wertvolle Brettpunkte auf, die die Hamburger durch ihr Freispiel in der ersten Runde bekommen hatten.

Die erste Mannschaft aus Mecklenburg-Vorpommern wollte sich gegen das Saarland keine Blöße geben, da bereits ihre zweite Vertretung den Vergleich mit den Westdeutschen knapp für sich entscheiden konnte. Entsprechend gewissenhaft war die Vorbereitung und hoch war die Motivation. Beim überlegenen 6½–1½ konnten alle Mannschaftsteile des Gastgebers überzeugen.

Im Spiel der Nachbarn Thüringen und Sachsen-Anhalt ging es äußerst spannend zu. Aus dem Vergleich der DWZ-Zahlen war kein Sieger vorherzusagen. Dass Sachsen-Anhalt mit 4½–3½ einen knappen Sieg davontragen konnte, ist zu einem großen Teil Pauline Mertens zu verdanken, die am zweiten Brett einen beeindruckenden Sieg gegen Raiko Siebarth herausspielte.

 

Die Mannschaft aus Nordrhein-Westfalen war durch ihren Sieg in der abschließenden Runde erneut Teil der Spitzenpaarung und bestritt diese gegen die  führende Delegation aus Hamburg. Trotz großen Kampfes konnten die Hansestädter nicht vollständig an ihre überzeugenden Leistungen aus den Vorrunden anknüpfen und verloren mit 3–5. Dadurch zog das Team aus Nordrhein-Westfalen in Mannschaftspunkten mit den Hamburgern gleich, hatte insgesamt sogar einen Brettpunkt mehr erkämpft und überholte diese dadurch knapp.

Württemberg konnte mit seinem Sieg gegen das Saarland ebenfalls auf zehn Mannschaftspunkte kommen. Allerdings waren sie durch den Umstand, noch kein Freispiel gehabt zu haben, immer noch im Nachteil, was die Brettpunktwertung anging. Durch einen fulminanten 7½–½-Sieg konnte dieser Nachteil jedoch wettgemacht werden. Mit einem halben Brettpunkt Vorsprung schoben sich die Süddeutschen sogar an Nordrhein-Westfalen vorbei.

Mit Spannung wurde damit von vielen Seiten auf das Spiel der Niedersachsen geschaut. Diese konnten sich mit einem Sieg gegen Mecklenburg-Vorpommern I den Meistertitel sichern. Zunächst sah alles danach aus, denn die Niedersachsen führten durch schnelle Siege an den hinteren drei Brettern mit 3–0. Interessant wurde es jedoch, als die Mecklenburger zurückschlagen konnten und sich eine gute Stellung nach der anderen erspielen konnten. Mit psychologischem Beistand des Württemberger Landesbetreuers konnte der große Außenseiter Siege an den Brettern drei, vier und fünf erspielen sowie ein Remis am Spitzenbrett. Damit war der Kampf ausgeglichen und das Ergebnis von Brett zwei musste die Entscheidung bringen. „Neuzugang“ Florian Kugler, der bis dahin im Turnier teilweise etwas unglücklich agiert hatte, spielte die letzten zwanzig Züge bis zur Zeitkontrolle im 30-Sekunden-Modus, konnte seine Stellung aber Zug um Zug ausbauen und wandelte im Endspiel vier Bauern gegen einen Springer mit einer sehr konzentrierten Leistung in den Sieg für die Mecklenburger um, die damit den Mannschaftskampf zur Überraschung aller mit 4½–3½ für sich entscheiden konnten. Damit hatte die Mannschaft mit der ungünstigsten Ausgangsposition zu Beginn der 7. Runde, Württemberg, am Ende doch noch die Nase vorn und wurde Deutscher Meister.

Rheinland-Pfalz konnte sich mit einem 6½–1½ gegen Sachsen-Anhalt genauso ein versöhnliches Turnierende verschaffen wie Hessen durch sein 6–2 gegen die zweite Vertretung von Mecklenburg-Vorpommern.

Auf der Siegerehrung gab es überwiegend freudige Gesichter. Die Württemberger konnten sich über den Deutschen Meistertitel ebenso freuen wie die Nordrhein-Westfalen und Hamburger über ihre Medaillengewinne und die Mecklenburger über den vierten Platz.

 

Trotz kleinerer Probleme ist das Fazit der Deutschen Ländermeisterschaft 2009 positiv und sollte in den nächsten Jahren dazu führen, dass wieder mehr Länder an dieser Meisterschaft teilnehmen und um den Titel des Deutschen Ländermeisters kämpfen.

 

 

Michael Ehlers und Paul Onasch

 

 

 

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