Die Schachjugend von Mecklenburg-Vorpommern lud zur diesjährigen Deutschen Ländermeisterschaft der Jugend in die Ostseestadt Wismar ein. Im Vorfeld gab es leider die erwarteten Absagen von Bremen, Berlin und Brandenburg, aber auch die großen Länder Bayern und Sachsen meldeten heuer kein Team. Kurzfristig zerschlugen sich durch Ausfälle auch die ursprünglich geplanten Teams von Schleswig-Holstein und Baden, so dass zu elft gespielt wurde. Dabei war nach der sehr hohen Teilnehmerquote im Vorjahr in Dresden mehr Resonanz zu erhoffen gewesen; wobei die parallel stattfindende Schacholympiade sicher ein Sonderfall war.
Am Dienstag standen vor allem Formalitäten an, insb. die Wahl eines Turnierschiedsgerichtes. Doch dies vorweg: Es lief alles sehr harmonisch und so gab es nur zu Anfang ein Uhrenproblem [Die DGT-Uhr gab beim Modus 19 nicht 30 Minuten hinzu sondern nur 15; entgegen der Beschreibung auf der Unterseite der Uhr…]. Das Gremium musste nie tagen. Ein herzlicher Dank für die Bereitschaft geht an Moritz Reck, Michael Ehlers und Bernd Laubsch sowie Stephan Michel und Walter Sonnhalter. Mit der endgültigen Mannschaftsmeldung am Dienstag Abend waren die Favoriten klar: Württemberg war an der Spitze gesetzt (das Los ergab dann ein Heimspiel zum Auftakt). Hessen, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen sollten die zu erwartenden Konkurrenten im Titelkampf sein.
Mittwoch früh gab es dann auch überwiegend die Favoritensiege. Hessen musste gegen die Erste des Ausrichters, Mecklenburg-Vorpommern, ein 4:4 hinnehmen. Erster Tabellenführer wurde Hamburg durch sein 8:0 kl. bzw. spielerisch Rheinland-Pfalz mit einem 7:1 gegen die zweite des Ausrichters. Bereits am Nachmittag ging es weiter. Gespielt wurde mit der neuen Bedenkzeit von 90 Minuten für Züge und 30 Minuten für den Rest der Partie zuzüglich 30 Sekunden je Zug. Damit waren die Partien in der Regel wie früher nach spätestens fünf Stunden beendet, es entfielen Remis-Anträge nach 10.2 und jeder Spieler hatte immer mitzuschreiben, so dass es auch immer zwei vollständige Notationen für die Partieeingabe gab. Insgesamt ein Modus, der sich bewährte.
Hessen zeigte sich gut erholt von dem 4:4 und schlug Rheinland-Pfalz glatt mit 6:2. Die Tabellenspitze übernahmen Württemberg und Niedersachsen mit je zwei Siegen und 11,0 Brettpunkten. Deren Gegner, Nordrhein-Westfalen bzw. Hamburg, mussten einen ersten Dämpfer hinnehmen. Stark präsentierte sich Mecklenburg-Vorpommern II, die Saarland knapp mit 4,5:3,5 bezwingen konnten. Abends hieß es dann für viele mitfiebern mit Bayern München, doch blieb es ein torloses Spiel im TV.
Am Donnerstag Morgen stand dann das Spitzenduell an und es sollte spannend werden. Erst mit der letzten Partie fiel die Entscheidung. Württemberg erkämpfte sich ein 4:4 gegen Niedersachsen. Hessen setzte sich recht sicher mit 5:3 gegen NRW durch und damit gab es ein Führungstrio! NRW wiederum rutschte auf das Spielfrei in Runde 4 ab, und das als Titelverteidiger. Das Landesduell von Mecklenburg-Vorpommern war eine klare Sache, 7:1 hieß es am Ende für die Erste.
Der Nachmittag verlief dann am Spitzenbrett wieder sehr knapp. Württemberg kämpfte und konnte gegen Hessen noch ein 4:4 erzielen. Niedersachsen gewann sicher mit 5,5:2,5 gegen Rheinland-Pfalz und übernahm die alleinige Tabellenführung. Hamburg rückte durch ein 5:3 gegen Mecklenburg-Vorpommern I auf den 2. Platz vor.
Am Freitag erwartete jeder mit dem Duell Niedersachsen gegen Hessen eine Vorentscheidung. Niedersachsen zeigte sich erstaunlich sicher und gewann locker mit 6:2. Verfolger Hamburg konnte sich überraschend mit 5:3 gegen Württemberg durchsetzen und seinen 2. Platz festigen. NRW gelang ein 7:1 gegen Sachsen-Anhalt und damit der Vormarsch auf Platz 3. Begleitet wurde diese Runde übrigens zeitweise vom regionalen Fernsehsender Wismar-TV.
Nachmittags gab es dann einmal für alle Spieler und Betreuer die Zeit, Wismar zu erkunden, eine Stadt mit viel Backsteingotik und schwedischer Vergangenheit. Dazu ist die Hansestadt mit ihrer Altstadt und dem alten Hafen auch UNESCO-Weltkulturerbe. Aber auch das direkt bei der Sport- und Kongresshalle gelegene Spaßbad Wonnemar lockte an, ebenso der nah an der Jugendherberge gelegene Tierpark. Abends stand dann das Viererblitzen auf dem Programm. Das Team „... läuft!“ um IM Heiko Machelett (2x Thüringen, 2x Rheinland-Pfalz) gewann sicher, nur drei Remis gaben die Bretter 2 und 3 ab.
Am Schlusstag war nun Niedersachsen eindeutig Favorit, doch bekanntlich spielen am Ende auch nerven, Kondition und Glück eine Rolle. Niedersachsen zeigte zum ersten Mal kleine Schwächen und musste sich Nordrhein-Westfalen denkbar knapp mit 3,5:4,5 geschlagen geben. Hamburg gelang mit einem 4,5:3,5 gegen Hessen die nächste Überraschung und damit sogar der Sprung an die Tabellenspitze! Württemberg hatte ja im Gegensatz zu Hamburg und NRW kein 8:0 gegen spielfrei und kämpfte daher nun um jeden halben Brettpunkt. Nach 5 ¾ Stunden musste Larissa Erben gegen Ludwig Stahnecker doch ins Remis einwilligen, doch das 7:1 gegen Rheinland-Pfalz war auch so sehr eindrucksvoll! Mecklenburg-Vorpommern I arbeitete sich durch ein 6,5:1,5 gegen Saarland auf Platz 5 vor. Mit Hamburg (10:2, 32,0), Niedersachsen (9:3, 30,0), NRW (10:4, 31,0) und Württemberg (10:4, 29,0) hatten nun noch vier Teams vor der letzten Runde rechnerische Titelchancen. Und es sollten praktische Chancen werden.
Württemberg setzte früh die führenden Teams unter Druck. Sieg um Sieg wurde erspielt und erneut war es Larissa Erben, die den Schlusspunkt setzte. Und dieses Mal gewann zum phantastischen 7,7:0,5 gegen Saarland. NRW hatte bereits früh 3:0 gegen Hamburg geführt, so dass deren Titelchancen dahin waren. Mit dem 5:3 konnte NRW zwar noch Hamburg überholen, doch aufgrund der Brettpunkte (und ggf. der besseren Buchholzzahl) zog Württemberg wiederum an NRW vorbei. Niedersachsen gegen Mecklenburg-Vorpommern I sollte nun alle Blicke auf sich ziehen. Niedersachsen startete zwar furios, doch die Erste des Ausrichters kämpfte sich ins Spiel zurück. Niedersachsen benötigte den Sieg zum Titelgewinn, doch der Ausrichter erwies sich als Meistermacher. Mit einem unglaublichen Kraftakt wurde Niedersachsen mit 4,5:3,5 bezwungen und damit überholt und auf Rang 5 verwiesen.
In einem Herzschlagfinale sicherte sich von Württemberg noch Platz 1. Herzlichen Glückwunsch an das Team von Moritz Reck! Titelverteidiger NRW dürfte nach dem schwachen Auftakt mit Platz 2 zufrieden sein. Die absolut beste Leistung des Turniers brachte Hamburg, die mit Platz 3 auch den verdienten Sprung auf das Siegertreppchen schafften. 27,65 Brettpunkte waren nach DWZ zu erwarten, gleich 35,0 wurden es! Auch Mecklenburg-Vorpommern I beeindruckte mit 36,5 Brettpunkten statt der nach DWZ zu erwartenden 30,06. Niedersachsen fiel durch den Schlusstag noch von 1 auf 5, doch ich hoffe die Enttäuschung ist nicht zu groß, dafür waren die Tage vorher beeindruckend.
Die Siegerehrung wurde dann von Wilfried Schmidtke ASV-Grün-Weiß Wismar), Paul Onasch und Michael Ehlers (jeweils SJ Mecklenburg-Vorpommern) durchgeführt. Es gab Erinnerungspreise und für jedes Team, ebenso zig Tabellen und DWZ-, ELO-Auswertungen. Die Siegerteams erhielten neben Pokal jeweils noch Medaillen für Spieler und Betreuer.
Die Brettbesten erhielten Sonderpreise: Punkte, BHZ, SBB
Brett 1 Nikolas Lubbe Niedersachsen 6,0 25,0 21,00
Brett 2 Makan Rafiee Hessen 5,0 28,5 20,25
Brett 3 Ludwig Stahnecker Rheinland-Pfalz 5,0 22,0 15,50
Brett 4 Constantin Göbel Hessen 5,0 21,5 14,75
Brett 5 Guido Stanau Hamburg 6,0 23,5 18,00
Brett 6 Miriam Rogasch MV I 6,0 15,5 11,50
Brett 7 Philipp Theodor Kaulich Württemberg 6,5 24,5 21,50
Brett 8 Alina Zahn Thüringen 6,0 16,5 13,75
Ersatz Alexander Jünger Thüringen 3,0/4 11,0 7,00
Gleich viele Punkte, aber schlechtere Feinwertungen wiesen folgende Spieler auf:
Brett 2 Jonas Lampert Hamburg 5,0 24,0 16,25
Brett 3 Tobias Müller Hamburg 6,0 22,0 12,75
Brett 3 Alexandr Kartsev NRW 6,0 20,5 14,00
Brett 4 Rick Frischmann Saarland 5,0 17,5 10,75
Brett 5 Carlo Pauly NRW 6,0 22,5 17,00
Nähere Infos gibt es auf der DSJ-Seite http://www.deutsche-schachjugend.de und auf der Homepage des Ausrichters http://www.lsvmv.de/index.php?section=beitrag&file=beitraege/dlm_2009/dlm_2009.php. www.dlm2007.de Dort gibt es alles zum Turnier, Tabellen, Paarungen, Berichte, Fotos und natürlich alle Partien. Nach der Siegerehrung gab es zahlreiche Fotos vom Schiedsrichter zum Turnier und vor allem zur Hansestadt, bei Interesse an NorbertLukas ( bei ) gmx.de wenden. Auf ein Neues im nächstes Jahr. Dann voraussichtlich zu Gast bei der Schachjugend Württemberg. Termin wird sicherlich wieder später im Jahr sein (Woche mit Buß- und Bettag?!), da beim Termin ab Ende September die Vorbereitung für die Länder doch nicht so einfach ist; teils Sommerferien grad erst beendet, teils Herbstferien kurz danach...
Als letztes eine Bitte an alle Landesschachjugenden, die heuer gefehlt haben: Unter welchen Rahmenbedingungen könnt Ihr Euch eine Rückkehr vorstellen? Gegenüber früher ja Kosten deutlich gesenkt: Teams verkleinert (von sechs plus vier auf acht), ggf. nur ein statt zwei Betreuer nötig und ein Spieltag weniger. Verspricht eine weitere Verjüngung (u10 statt u18 oder u20) mehr Teilnehmer, wie es z.B. Thüringen anregt? Für diese Altersklassen gibt es ja eher Landeskader, aber z.B. ELO-Auswertung dann schwieriger. Die Länder entscheiden über DLM!
Norbert Lukas (DLM-Referent)