Deutsche Meisterschaften 2013
der Deutschen Schachjugend

Duell der Großmeister

Am 22.05.2013 fiel der Startschuss im GM-Duell bei der DEM in Oberhof und zahlreiche Zuschauer konnten zwei spannende Partien verfolgen, die nicht die ganze Zeit so klar waren, wie das Ergebnis glauben lässt. Arkadij Naiditsch: 2, David Baramidze: 0 lautete der Zwischenstand nach dem ersten Turniertag.  In diesem Jahr bot sich den begeisterten Zuschauern eine ganz neue Möglichkeit: Die beiden Großmeister ließen das Publikum während der Partie an ihren Gedanken teilhaben. Das führte zu spannenden, erleuchtenden und mitunter auch zu witzigen Situationen. Denn abgesehen davon, dass die beiden sicher mehr und schneller denken als die meisten von uns, vielleicht auch zielführender und konzentrierter, waren uns „gewöhnlichen“ Schachspielern andere Gedanken nur allzu bekannt. So kommentierte David das Ende der zweiten Partie mit den einfachen, aber klaren Worten: „Hab ich wieder eingestellt.“

Betrat man den Turniersaal, so herrschte zunächst wie gewohnt gespannte Stille. Doch direkt nach seinem Zug erklärte Arkadij, was er sich dabei dachte, was er nun erwartete und worauf David achten sollte. Dieser bekam davon nichts mit, denn sogenannte schalldichte „Mickeymaus-Kopfhörer“ verhinderten, dass Geräusche bis zu den Meistern durchdrangen. Ist ein Großmeister eigentlich immer auf alles eingestellt? - Nein! „a5 überrscht mich ein wenig, das hätte ich nicht erwartet“, kommentierte Arkadij nach einem schwarzen Zug in der zweiten Partie, „dadurch wird b5 schwach, a5 war vielleicht nicht das Beste, ich denke David will a4 spielen.“ Dies bestätigte David in seiner Antwort postwendend. Doch nicht immer waren die beiden GM einer Meinung. So ist es durchaus möglich, dass für den einen bereits alles klar ist, während der andere die Stellung noch als offen bezeichnet. Gerade für die weniger erfahrenen Schachspieler unter den Zuschauern, war sicher interessant, wie man schon in scheinbar gleichwertiger Stellung aufgrund positioneller Schwächen einen Vorteil ausmachen kann. So erklärte Arkadij ebenfalls in Partie 2: „Es ist jetzt nicht so einfach für Schwarz, einen Zug zu finden. Sieht so aus, als ob alles gut steht, aber Sb5 ist eine starke positionelle Drohung.“  Ganz so problematisch beurteilte David seine Stellung zu diesem Zeitpunkt noch nicht und geriet doch nach und nach ins Hintertreffen. „Das Hauptproblem von Schwarz besteht immer noch [nämlich die weiße Idee Sc3, Sd5], jetzt ist auch noch die f-Linie offen“, bestätigte Arkadij diese Entwicklung.

Je knapper die Zeit, desto kurzweiliger und zuweilen auch simpler wurden die Kommentare. Mit folgenden Worten schlug zum Beispiel Arkadij einen Bauern, den David opferte, um Gegenspiel zu bekommen: „Bauer nehmen ist nie verkehrt, wenn man nicht genau weiß, was man machen soll.“ Nicht nur die Stellung wurde so konkreter, sondern auch die Zeit knapper. In solchen Situationen scheinen auch Großmeister mehr nach Gefühl zu spielen, wie folgende Aussage Davids belegt: „Der c4-Bauer ist natürlich auch eine kleine Schwäche und mit dem Freibauer auf der A-Linie habe ich interessantes Spiel - hoffe ich zumindest.“  Und auch Arkadij verließ sich bei wenig Zeit auf seine Intuition: „Nicht ganz so einfach jetzt, da muss man doch genau berechnen, die ganzen Abwicklungen ... aber c5 sieht einfach zu verlockend aus.“ Arkadijs Eindruck täuschte nicht, kurz darauf konnte er diese Patie endgültig für sich entscheiden.  

Die Kommentare während der Partie waren so informativ, dass sich im Anschluss keine Fragen der Zuschauer ergaben. Diese Livekommentierung war ein voller Erfolg und wurde entsprechend in den Runden drei und vier beibehalten. Am Donnerstagnachmittag konnte Arkadij auch die dritte Runde für sich entscheiden, wodurch das GM-Duell vorzeitig entschieden wurde. David gelang es jedoch, seine Ehre wiederherzustellen, er zog in der vierten und letzten Runde nach und besiegelte somit das Endergebnis Arkadij Naiditsch: 3 Punkte, David Baramidze: 1 Punkt.


Im Anschluss an ihr Match standen uns die beiden im Interview Rede und Antwort.


Deutsche Schachjugend, 14.05.2015 | 
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