Deutsche Meisterschaften 2012
der Deutschen Schachjugend

Holger Borchers - Der Trainer des Jahres im Gespräch

Der Berliner A-Trainer Holger Borchers ist aus dem Jugendschach in Deutschland seit Jahrzehnten nicht mehr wegzudenken. Auf der Eröffnungsfeier der DEM wurde sein außergewöhnliches Engagement mit dem Titel „Trainer des Jahres“ belohnt. Gestern stellte er sich den Fragen von Sonja Häcker:

Holger, zunächst herzlichen Glückwunsch zu deiner Wahl zum Trainer des Jahres. Hattest du mit dieser Auszeichnung gerechnet?


Nein und ich sehe meine Ehrung auch als stellvertretend für viele andere Trainer an.

 
Was bedeutet es dir, Trainer des Jahres geworden zu sein?


Man freut sich natürlich. Für mich ist das eine Anerkennung für 40 Jahre Arbeit mit Kindern und Jugendlichen. Man macht die Arbeit aber nicht wegen des Titels.

Hier in Oberhof bist du als Trainer aktiv. Wie zufrieden bist du mit der bisherigen Leistung deiner Schützlinge?


Ich trainiere hier drei Jugendliche aus Eberswalde. Einer von ihnen steht von der Setzliste her ganz weit hinten. Ich bin gespannt, wie er sich hier schlägt. Maximilan Mätzkow ist in der U10 an Eins gesetzt. Er hat also auf jeden Fall Medaillenchancen.

 


Und wie gefällt dir die Meisterschaft insgesamt?


Wie immer top. Ich finde es super, dass hier so viele junge Leute im Organisationsteam sind und alles im Griff haben. Das finde ich an der DSJ überhaupt sehr gut.


In der ersten Runde gab es ja bereits den einen oder anderen Favoritensturz. Wird es für diese Spieler jetzt ganz schwer doch noch oben zu landen und hast du einen Tipp, wie man sie nach so einer Niederlage wieder motivieren kann?

Nein, vorbei ist da noch nichts. Das Ergebnis am Anfang ist relativ egal. Bei den höheren Altersklassen wird es erst ab Runde 6 wirklich ernst, bei den jüngeren sogar erst ab Runde 8. Wichtig ist esm deb Spieler erst einmal aufzubauen und zum Weiterspielen zu motivieren. Dann bereitet man sich weiter sorgfältig vor und natürlich gehört dann auch Glück dazu, um wieder richtig gut ins Turnier zu finden.


Kannst du dich noch daran erinnern, wieviele DEMs du als Trainer miterlebt hast?


Es müssten mindestens 18 sein. Ich meine, dass ich in den letzten Jahren nur zwei verpasst habe.


Was würdest du als deinen größten Erfolg als Trainer bezeichnen?


Das ist eindeutig eine Wertungsfrage. Natürlich war der Weltmeistertitel von Leonid Kritz 1999 in der U16 ein großer sportlichre Erfolg. Mein Anteil dabei war jedoch relativ gering, da ich nur das aufgegriffen habe, was seine Heimtrainer in jahrelanger fleißiger Arbeit mit ihm geschafft haben. Mehr wiegt für mich deshalb der Erfolg meiner Mädchenmannschaft, die mit Spielerinnen, die anfangs eine DWZ um die 600 hatten, mehrmals Deutscher Meister wurde. Mit diesen Mädchen habe ich von klein auf kontinuierlich gearbeitet und deshalb auch einen größeren Anteil an ihren Erfolgen.

Dadurch hast du dir auch einen Namen als erfolgreicher Mädchentrainer gemacht. Trainiert man Mädchen anders? Welchen Tipp kannst du anderen Trainern in diesem Bereich geben?


Um eine so erfolgreiche Mädchengruppe aufzubauen, braucht man auf jeden Fall etwas Glück. Wichtig sit hier, dass immer eine super Stimmung herrscht. Wenn das Klima im Team stimmt, kann man viel aus den Mädchen rausholen. Ich bin der Meinung, dass ca. 30% der Leistung auf Harmonie beruhen. Dieser Punkt ist bei Jungen nicht so wichtig. bei meinen Mädchen hat sich das relatitiv automatisch so ergeben. Anfangs hatte ich eine Spielerin, die zwar die stärkste war, aber nicht so gut ins Team gepasst hat. Gott sei dank ist sie dann aber vor einem Qualifikationsturnier krank geworden, sodass die vier anderen Mädchen gemeinsam die Qualifikation schafften und ich sie dann auch ohne die andere Spielerin und ohne Streit zur Deutschen Meisterschaft fahren lassen konnte. Eine der schwersten Entscheidungen für einen Trainer, nämlich wer zu einer Meisterschaft mitfährt, wurde mir hier also von einer höheren Macht abgenommen und schlussendlich zog die Spielerin dann auch noch weg, was den Zusammenhalt im Team endgültig festigte.


Welches Ereignis aus deiner Trainerlaufbahn ist dir besonders in Erinnerung geblieben?


Oh je, da könnte ich so viele Anekdoten erzählen, das würde hier den Rahmen sprengen. Es kommt ja auch immer darauf an, was wen interessiert. Gerade wenn man mit Mädchen unterwegs ist, erlebt man sehr viele und lustige Geschichten.

 


Vielen Dank für das Gespräch und dir und deinen Schützlingen weiterhin viel Erfolg hier in Oberhof.

Dankeschön und euch ein gutes Gelingen für eure Zeitung.


Deutsche Schachjugend, 14.05.2015 | Impressum | Sitemap | Kontakt zum Webmaster
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